Fesselnd, bewegend, schöne Naturbeschreibungen
"Der Gesang der Flusskrebse" von Delia Owens war ein Buch, dass ich bis vor kurzem gemieden habe. Ich habe viel Gutes, aber auch sehr viel Negatives gehört, ohne wirklich den Inhalt zu kennen. Am Ende habe ich mir sogar etwas völlig anderes vorgestellt und habe nur durch einen kurzen inneren Impuls zum Buch gegriffen. Tja und was soll ich sagen - mich hat es voll und ganz abgeholt. Schon nach wenigen Seiten war ich gefesselt von der Geschichte um Kya.Kya wächst mit ihrer Familie unter ärmlichen Verhältnissen im Marschland auf. Der Vater ist Alkoholiker und sehr gewaltätig. Nach einem weiterem Streit der Eltern, verlässt erst die Mutter und nach und nach auch die älteren Geschwister von Kya die immer kleiner werdende Familie. Eine zeitlang kommen Vater und Tochter gut aus, doch als auch der unberechenbare Vater verschwindet, ist Kya mit 9 Jahren ganz auf sich allein gestellt. Es gibt nur wenige Menschen in der näheren Umgebung, die ihr wohlgesinnt sind und Kya versteht es immer mehr, sich selbst zu beschützen und die Nähe der Natur zu suchen. Dort lernt sie nicht nur die Liebe kennen, sondern erfährt auch wie es ist, wenn man plötzlich zu einer Straftat verdächtigt wird. Mich hat Kyas Geschichte wirklich sehr in den Bann gezogen. Ich mochte so Vieles, nur wie so oft eben das Ende nicht. Kyas Leben wird so ausführlich beschrieben. Wir begleiten Kya beim Aufwachsen, leiden mit ihr mit und spüren schon fast die grenzenlose Einsamkeit. Ich mochte die Liebesgeschichten in dem Buch und konnte die Verzweiflung hautnah spüren. Dann kommt noch der Kriminalfall hinzu, der mich erst gestört und dann irgendwie nochmal gefesselt hat, auch wenn die Vorwürfe teils sehr armselig wirkten. Ich mochte es aber dennoch sehr vom Prozess zu lesen, doch dann wurde der weitere Verlauf rasend schnell zu Ende erzählt. Das ist mein kleiner Negativpunkt, denn das Happy End kommt mir zu abrupt. Die letzte Enthüllung hatte ich mir schon gedacht und doch wurde zu wenig zu den Umständen erläutert, gerade weil es vor Gericht bereits thematisiert wurde. Ich muss aber dennoch zugeben, dass die Geschichte insgesamt mich so gut unterhalten hat, dass ich keinen Punkt abziehen kann. Für mich war es eine wunderbare Lektüre und ich kann sie wirklich einem breiten Publikum empfehlen.