Ich zitiere eigentlich gern in Rezensionen, hab es aber in diese Rezension sein lassen, weil: es gäbe einfach zu viele potenzielle Kandidaten.Soll ich Fritz J. Raddatz über die hostiendünne Breite einer verbliebenen Freundschaften resümieren lassen, was gleichsam traurig und lustig wäre, oder doch lieber was Schönes von André Heller oder was sattsam Dunkles von Wolf Biermann nehmen? Soll ich ein schlüpfriges Zitat nehmen, um die voyeuristischen Leser*innen anzulocken oder lieber ein hochphilosophisches, um dem Esprit des Titels und der Aufmachung die nötige Tiefe an die Seite zu stellen?Ich muss es wohl dabei belassen, zu sagen: von allem ist hier was dabei. Das ist keine Übertreibung, keine Überhöhung, es ist wirklich (was auch mich ein klein wenig überraschte) ein ungemein reichhaltiges Buch und nicht nur eine belanglose Plauderstundenaufzeichnung, mit Exhibitionismus-Einlagen, reißerischen Tendenzen und Fremdschäm-Freuden (so manches Buch mit Gesprächen ist halt nur das).Es gibt viele zutiefst menschliche, existenzielle Aussagen, oft behutsam aufgegriffen und weiterverfolgt. Der Interviewer ist natürlich indiskret, aber meist auf eine unverrohte und nahbare Art und Weise. Für die besten Interviewmomente bei Michaelsen gilt daher dasselbe wie für die schönsten Gespräche von André Müller: nur Schweigen wäre schöner.