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Lexikon der untergegangenen Sprachen als Taschenbuch
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Lexikon der untergegangenen Sprachen

'Beck Reihe'. 2. , durchgesehene Auflage. 1 Kte.
Taschenbuch
Die "toten" Sprachen leben weiter in unserem kulturellen Gedächtnis. Dem Altgriechischen und dem Lateinischen verdanken wir einen großen Teil unseres Kulturwortschatzes, dem Phönizischen die Alphabetschrift, und viele andere alte Sprachen wie das Alt … weiterlesen
Taschenbuch

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Lexikon der untergegangenen Sprachen als Taschenbuch

Produktdetails

Titel: Lexikon der untergegangenen Sprachen
Autor/en: Harald Haarmann

ISBN: 3406475965
EAN: 9783406475962
'Beck Reihe'.
2. , durchgesehene Auflage.
1 Kte.
Beck C. H.

1. März 2002 - kartoniert - 228 Seiten

Beschreibung

Die "toten" Sprachen leben weiter in unserem kulturellen Gedächtnis. Dem Altgriechischen und dem Lateinischen verdanken wir einen großen Teil unseres Kulturwortschatzes, dem Phönizischen die Alphabetschrift, und viele andere alte Sprachen wie das Althebräische, Sumerische, Akkadische und Sanskrit haben sich durch Werke der Weltliteratur unsterblich gemacht. Dieses Lexikon beschreibt in mehr als 100 Artikeln die wichtigsten untergegangenen Sprachen. Es informiert über Gebiete und Zeiträume ihrer Verbreitung, ihre Zugehörigkeit zu Sprachfamilien, Schriftsysteme, überlieferte Literatur sowie ihren Einfluß auf bis heute gesprochene Sprachen. Ein Register und Literaturhinweise runden diese kompetente Einführung ab.

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 20.01.2003

Labsal für Lateinschüler
Harald Haarmanns Lexikon der untergegangenen Sprachen

"Warum soll ich Latein lernen, wo das doch niemand mehr spricht?" so der Stoßseufzer manches frustrierten Pennälers an humanistischen Gymnasien. Wie entsetzt wäre er aber erst, wenn er Harald Haarmanns neues "Lexikon der untergegangenen Sprachen" zur Hand nähme. Dort könnte er erfahren, daß es außer den klassischen Idiomen Latein und Griechisch noch Hunderte von Sprachen und Dialekten gibt, die heute nicht mehr gesprochen werden, gleichwohl aber mehr oder minder deutliche Spuren hinterlassen haben. Sie zu erlernen und zu erforschen, hat Haarmann sich erfolgreich aufgemacht.

Er unterteilt die untergegangenen Sprachen in vier Gruppen. Zunächst sind da solche, deren Sprecher ausgestorben sind oder sich an eine andere Sprachgruppe assimiliert haben, ohne daß schriftliche Dokumente von ihrer Zunge erhalten geblieben wären. Von diesen Sprachen sind oft nur Eigennamen sowie Lehnwörter in Kontaktsprachen erhalten. Zu diesen gehören etwa Burgundisch, Vandalisch und Zimbrisch. Dann gibt es Sprachen, die zwar ebenfalls untergegangen sind, aber "kulturelle und sprachliche Spuren in den modernen Sprachen hinterlassen haben und deren Erinnerung im kulturellen Gedächtnis weiterlebt". Dazu zählt zum Beispiel das Phönizische, das zwar nur in einigen Inschriften bezeugt ist, aber durch die Entwicklung der Alphabetschrift mit Vokalbezeichnung einen gewaltigen Einfluß auf alle modernen Kulturen Europas ausgeübt hat. Aber auch das Etruskische gehört zu dieser Gruppe: Lateinschüler ahnen ja gar nicht, wie viele etruskische, also nichtindogermanische Lehnwörter im Lateinischen verborgen sind, die oft auch ins Deutsche übernommen wurden: atrium, persona, elementum und viele mehr.

Zur dritten Gruppe gehören diejenigen alten Kultursprachen, die "teilweise bis heute funktionale Nischenplätze in unserer Kulturlandschaft besetzen". Außer Latein sind hier natürlich Altgriechisch und Hebräisch zu nennen, aber auch Sanskrit und Ägyptisch zählen dazu. Und schließlich gibt es bei Haarmann noch die Gruppe der gewissermaßen scheintoten Sprachen, deren kulturelle Blütezeit schon lange vorbei ist, die aber bis heute von kleinen Bevölkerungsgruppen in kulturellen Rückzugsgebieten, meist nur noch mündlich, verwendet werden. Das gilt zum Beispiel für das Aramäische, in dem Teile der Bibel verfaßt sind und das vermutlich die Sprache Jesu war. Heute gibt es noch knapp eine halbe Million Aramäischsprechende im Vorderen Orient sowie in manchen christlichen und jüdischen Gemeinschaften.

Eine weitere, von Haarmann allerdings nicht eigens aufgeführte Gruppe wären diejenigen Sprachen, die nach ihrem Untergang künstlich revitalisiert wurden oder zumindest werden sollen. Hier erwähnt er in den jeweiligen Lemmata natürlich als erfolgreichstes Beispiel das Hebräische, aber auch Rapa-Nui, die Sprache der Osterinsel, gehört dazu. Andere Experimente dieser Art, die etwa die Wiederbelebung der keltischen Sprachen Manx und Kornisch erstreben, sind bislang weniger weit gediehen. Leider geht Haarmann nicht auf die interessanten Versuche ein, das baltische Altpreußisch in den Kreis der lebenden Sprachen zurückzuführen, deren Fortschritte (einschließlich der Hahnenkämpfe verschiedener Forscher) im Internet zu verfolgen sind.

Haarmanns Einteilung der untergegangenen Sprachen (er vermeidet die Termini "ausgestorben" und "tot", da diese offenbar einen zu negativen Beiklang haben) ist durchaus einleuchtend, wirft jedoch auch Probleme auf. Wann ist eigentlich eine Sprache untergegangen? Warum nimmt er Altgriechisch und Latein auf, Altchinesisch und Altjapanisch aber nicht, obwohl sich diese klassischen Sprachstufen von ihren gegenwärtigen Nachfahren mindestens ebensosehr unterscheiden wie das klassische Attisch von dem Griechisch eines heutigen Kafeneio-Wirtes? Der Verfasser argumentiert hier mit einem "soziokulturellen Kontinuum", das bei den erwähnten orientalischen Schriftsprachen bestünde, bei den europäischen dagegen nicht.

Diese Ansicht ist durchaus anfechtbar, ist doch das heutige China, das die Schrecken der Kulturrevolution erlebt hat, wohl ein ziemlich anderes als das des legendären Kaisers Huang-di der Bronzezeit. Das Fehlen dieser Sprachen in vorliegendem Lexikon bleibt bedauernswert ebenso wie der Verzicht auf die Diskussion rekonstruierter Sprachstufen wie etwa des Indogermanischen, die aber wohl den Rahmen der Darstellung gesprengt hätten. Dies schmälert aber nicht das grundlegende Verdienst Haarmanns, erstmals im Taschenbuchformat ein Werk herausgebracht zu haben, das die sogenannten toten Sprachen in einer repräsentativen Auswahl konzise und verläßlich vorstellt. Im bislang führenden "Fischer Lexikon Sprachen" wird etwa das Altgriechische auf höchst eigenwillige Weise dargestellt, und Altindisch fehlt völlig.

Naturgemäß ergeben sich Überschneidungen zum im vorigen Jahr veröffentlichten "Kleinen Lexikon der Sprachen" desselben Autors (F.A.Z. vom 9. Oktober 2001), in dem ebenfalls einige nicht mehr als Muttersprache verwendete Idiome aufgeführt werden. Wie schnell der Sprachentod fortschreitet, beweist der im letztjährigen Band enthaltene Artikel "Aussterbende Sprachen", in dem so aparte Zungen wie Pankararé und Pataxó-Hãhãhãi genannt waren. Im vorliegenden Buch sind diese und viele andere dort genannte Sprachen bereits als untergegangen klassifiziert. Dies gilt auch für so Dialekte wie die ehemals in Australien gesprochenen Tjurruru, Wuliwuli und Yalarnnga.

Leider hat der Autor es wieder mehrmals versäumt, bei der Nennung von Lehnwörtern in den Zielsprachen die ursprünglichen Wörter der Ausgangssprache anzugeben. Dies sowie das Fehlen längerer Textbeispiele, die eine Idee von Aufbau und Klang der betreffenden Sprache hätten vermitteln können, sind Mängel, die bei dem schmalen Umfang des Werkes schmerzlich auffallen.

THOMAS FISCHER

Harald Haarmann: "Lexikon der untergegangenen Sprachen". Verlag C. H. Beck, München 2002. 180 S., br., 12

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

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