Geburt und Tod ganz nah bei einander; erst beim Abschied blättert sich das Leben des Protagonisten Johannes vor den Leser*innen auf.
Das schmale Büchlein (122 Seiten) erzählt vom Fischer Johannes und seinem Leben. Im ersten Kapitel sind wir bei seiner Geburt dabei und bereits im nächsten Abschnitt ist Johannes ein alter Mann. Sein Leben ist gelebt. Nur in groben Zügen erfahren wir, wie es verlaufen ist, aber dies genügt, um ihn vor sich zu sehen, den hart arbeitenden norwegischen Fischer, seine Frau Erna und die zahlreichen Kinder. Auch seine Schwächen werden offenbar, ebenso wie die Liebe zu seiner Ehefrau. Ein bescheidenes aber im Grunde glückliches Leben, das Johannes noch einmal an diesem Morgen durchlebt, bevor er und andere erkennen, dass sein Abend schon gekommen ist.Der Buch von Literaturnobelpreisträger Jon Fosse liest sich trotz des besonderen Schreibstils eingängig, also verständlich und nachvollziehbar. Bei der wörtlichen Rede wird nicht nur auf die Anführungszeichen verzichtet, sondern auch auf den Schlusspunkt. Dabei kommt es oft zu Wiederholungen, wie um sich selbst Dinge zu bestätigen, einer Sache gewiss zu sein. Weite Teile des Textes sind die Gedanken von Johannes, der sich erinnert, seine Umwelt und Veränderungen wahrnimmt, sich selbst Fragen stellt.Das sehr ruhige Buch ist in seiner Ausdrucksart schlicht, dennoch ist es lyrisch durchdrungen. Einerseits durch die häufigen Wiederholungen von Sätzen, Ausdrücken oder einzelnen Wörtern, andererseits durch die Gedankenströme, die an einigen Stellen etwas experimentell anmuten.In jedem Fall eine lohnende Lektüre.