Der Attentäter entfaltet das Porträt einer Tat, die weniger als bloßes Ereignis denn als Symptom einer nervös gewordenen Epoche erscheint. Strobl verbindet kriminalistische Spannung mit psychologischer Beobachtung und politischer Zeitdiagnose; seine Prosa arbeitet mit präzisen Milieuskizzen, düsteren Stimmungswerten und jener Neigung zum Unheimlichen, die sein Werk in den Kontext der deutschsprachigen Moderne und der Prager deutschen Literatur rückt. Karl Hans Strobl, 1877 in Mähren geboren und durch das kulturell gespannte Umfeld der Habsburgermonarchie geprägt, kannte die Konflikte zwischen Nationalitäten, Ideologien und urbanen Milieus aus eigener Erfahrung. Seine Tätigkeit als Jurist, Publizist und Erzähler, ebenso seine Nähe zu fantastischen und politisch zugespitzten Stoffen, erklären das Interesse an Figuren, die zwischen Überzeugung, Wahn und gesellschaftlichem Druck handeln. Empfohlen sei Der Attentäter allen Leserinnen und Lesern, die historische Spannungsliteratur nicht nur als Unterhaltung, sondern als Analyse politischer Affekte lesen möchten. Das Buch bietet Einblick in Denk- und Angstlandschaften des frühen 20. Jahrhunderts und bleibt gerade dort anregend, wo es moralische Gewissheiten unter Spannung setzt.