Wieder Krieg als Taschenbuch
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Wieder Krieg

'edition suhrkamp'. Nachdruck.
Taschenbuch
"Wie konnte aus dem 'Nie wieder Krieg!', das doch ein halbes Jahrhundert lang intuitiv und argumentativ das moralische Leben in Deutschland prägte, so plötzlich wieder Beteiligung am Krieg herauswachsen? Der Weg dahin führte, in weniger als einem Jah … weiterlesen
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Wieder Krieg als Taschenbuch

Produktdetails

Titel: Wieder Krieg
Autor/en: Karl Otto Hondrich

ISBN: 3518122975
EAN: 9783518122976
'edition suhrkamp'.
Nachdruck.
Suhrkamp Verlag AG

29. April 2002 - kartoniert - 192 Seiten

Beschreibung

Aus tiefster Ächtung ist der Krieg in der westlichen Welt binnen kurzem wieder zu starker Beachtung gelangt: als Krieg gegen den Terrorismus, als Krieg für das Völkerrecht, als Krieg für Menschenrechte und Selbstbestimmung auf dem Balkan.Die Karriere des Krieges innerhalb eines Jahrzehnts zeichnet das Buch nach: als Geschichte geteilter Gefühle zum Krieg. Denn kollektive moralische Gefühle, die von vielen geteilt werden und im Konflikt zu den Gefühlen anderer stehen, sind grundlegende Bewegungskräfte des sozialen Lebens, im Frieden wie im Krieg. "Lehrmeister Krieg" reißt uns aus unseren Gefühlsverankerungen und lehrt uns das, was wir im Frieden nicht lernen wollen. Mit den Zielen der Kriegsführenden ist es nie identisch. Es erschließt sich, wenn überhaupt, im Nachhinein, in den unerwünschten und schmerzlichen Folgen von Kriegen: in der Erfahrung der Grenzen von Macht, in der Revision von Macht- und Zielvorstellungen, in der Lösung von Konflikten oder in der Einsicht, daß man mit ihnen leben muss. Die neuen Kriege schaffen und bestärken Nationalstaaten, deren Ende wir gekommen sahen, und sie schaffen übernationale Gefühls- und Gewaltgemeinschaften als Ordnungskräfte der Weltgesellschaft. Der jeweils neueste Krieg scheint immer ein ganz anderer zu sein. Das Buch zeigt aber auch, wie sich die Kriege gleichen, wie sie sich erschöpfen und wie begrenzt die Macht des Krieges ist.

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Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 21.03.2002

Keine Allheilmittel

KRIEG. Es waren nicht viele, die nach dem Zusammenbruch der alten Weltordnung den Mut und die Weitsicht hatten, den neuen Realitäten ins Auge zu sehen. Dabei war bereits 1990/91 unübersehbar, daß das Ende des Kalten Krieges und seiner diversen internationalen Sicherungsmechanismen fast zwangsläufig zu einer Renaissance von Krieg und Bürgerkrieg führen würde. Man könne "nicht die Augen davor verschließen, daß sich Konflikte in der Weltgesellschaft weiter so zuspitzen, daß die Beteiligten den Krieg wollen, weil sie keinen besseren Ausweg sehen", schrieb Karl Otto Hondrich Anfang 1991. Seither hat sich der Frankfurter Soziologe regelmäßig zum Thema "Krieg" zu Wort gemeldet. Elf seiner Beiträge hat er um die Einführung über "Die Zukunft des Krieges" erweitert und noch einmal in Buchform vorgelegt. Sie bleiben lesenswerte "Momentaufnahmen von kollektiven Gefühlslagen" und Interpretationen - so die Beobachtung, daß Nationalstaaten aus Kriegen entstanden seien und Nationalstaaten Kriege geführt hätten, was sie suspekt mache. Wo aber stabile Nationalstaaten fehlten, da sei der Krieg "erst recht zur Stelle". Und was die seit mehr als zehn Jahren wieder in einem Nationalstaat lebenden Deutschen angeht, attestiert ihnen Hondrich einen bemerkenswerten Wechsel der Perspektive: Anders als den Zweiten Weltkrieg, in dem sie die Angreifer und Schuldigen waren, sehen die Deutschen "die neuen Kriege als Verteidigungskriege", und das ist wohl die Voraussetzung dafür, daß sie sich auf die Seite der Angegriffenen schlagen und ihrerseits wieder Krieg führen können. Selbstverständlich geht es Hondrich nicht um ein Plädoyer für den Krieg, schon gar nicht um einen Aufruf an die Deutschen, wieder zu den Waffen zu greifen. Aber er sucht nach einer Erklärung und auch nach einer Legitimation für das Unvermeidliche. Wenn die Kluft zwischen Arm und Reich und die Kluft zwischen Mächtigen und Ohnmächtigen für das "Entstehen von Kriegen verantwortlich" sind, dann ist ihr Schließen eine "Aufgabe, die ihren moralischen Wert in sich selbst hat". Gewiß, auch für Hondrich sind das "Zusammenwirken oder gar der Ausgleich von okzidentaler und universaler Moral" kein Allheilmittel gegen den Krieg. Aber sie können, solange Krieg und Kriegsdrohung als Ordnungsfaktoren in der Welt bleiben, "die Chancen und Leiden des Krieges verringern". Ohne das "Prinzip Hoffnung" kann allerdings auch Hondrich diese Erkenntnis nicht begründen. (Karl Otto Hondrich: Wieder Krieg. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2002. 193 Seiten, 9,- Euro.)

GREGOR SCHÖLLGEN

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.

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