Mit "Bis alles verschwand" legt die Autorin Katja Montejano einen düsteren und auch sehr außergewöhnlichen Thriller vor, der mich wirklich mitnehmen konnte.
Schon der Beginn ist äußerst dramatisch. Die Polizistin Emma Winter muss im Dienst einen Mann erschießen, um ein Baby zu retten. Doch damit nicht genug. Kurz darauf verschwinden ihr Ex-Mann Levi und ihr Sohn Kevin. Emma erhält bedrohliche Videobotschaften, in denen die Folter der beiden zu sehen ist. Emma wird vom Dienst suspendiert, ist aber überzeugt, dass eigentlich sie selbst im Fokus des Täters steht und nimmt ihre eigenen privaten Ermittlungen auf. Unterstützung erhält sie dabei von ihrem langjährigen Freund, dem Staranwalt Franco Ciccio Zucchero und dessen Nichte Ella. Doch Emma hat noch ein weiteres Problem. Erst kürzlich wurde bei ihr Demenz diagnostiziert. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Bei diesem Thriller ist einiges außergewöhnlich, besonders jedoch die Figuren. Emma ist bereits 58 Jahre alt und die beginnende Demenzerkrankung macht sie nicht nur dienstuntauglich, sondern auch zerbrechlich. Ihre Wahrnehmung und Erinnerungen ließen mich manchmal am Wahrheitsgehalt zweifeln. Franco mit seinen 60 Jahren ist ein waschechter Sizilianer, der seine Ziele auch mal mit dubiosen Mitteln erreicht. Aber für Emma ist er eine große Unterstützung. Erzählt wird das Ganze hauptsächlich aus der Perspektive der beiden Protagonisten. Aber man gewinnt auch Einblicke in die Täterperspektive, natürlich ohne zu erfahren, um wen es sich dabei handelt. Es bleibt also bis zum Schluss spannend. Ort der Handlung ist im Übrigen Zürich. Da die Autorin in der Schweiz beheimatet ist, gelingt es ihr eine Atmosphäre mit ordentlich Lokalkolorit zu schaffen.
Lediglich die Sprache fand ich etwas anstrengend. Die vielen Vergleiche und oftmals metaphorische Sprache fand ich etwas zu überladen. Das Thema Demenz bei einer Ermittlerin zu verarbeiten, fand ich sehr gut und lässt mich auch ein wenig nachdenklich zurück.
Wer sich auf das Buch einlässt, sollte wissen, dass es stellenweise ziemlich heftig wird. Die Autorin spart nicht mit blutigen oder ekligen Details. Für Zartbesaitete also nicht unbedingt zu empfehlen. Für alle anderen kann ich eine klare Leseempfehlung aussprechen. Es geht spannend und temporeich durch das Buch und erst am Ende erkennt man die geniale Konstruktion.