House of Hollow von Krystal Sutherland hat mich schon in den ersten Kapiteln mitten ins Unheimliche gezogen. Die Hollow-Schwestern Iris, Vivi und Grey verschwanden als Kinder für einen Monat und kehrten verändert zurück, mit weißen Haaren, tief dunklen Augen und einer Aura, die gleichermaßen schön und beunruhigend ist. Zehn Jahre später verschwindet Grey erneut, und Iris und Vivi folgen den Spuren, die sie zurückgelassen hat, um herauszufinden, was damals wirklich geschehen ist. Die Stärke des Buches liegt für mich in der Atmosphäre: es fühlt sich an wie ein modernes, düsteres Märchen, in dem nichts so ist, wie es scheint und jedes Geheimnis eine neue, tiefere Frage bereithält. Die Welt zwischen Realität und etwas Fremdem, oft bezeichnet als "Halfway", ist unheimlich, dicht beschrieben und voller Bilder, die mich beim Lesen nicht losgelassen haben. Iris als Ich-Erzählerin ist glaubwürdig und mitfühlend; man spürt ihr Bedürfnis nach Normalität genauso wie die Angst vor der Wahrheit. Ihre Beziehung zu Vivi und Grey trägt das Buch emotional, weil die Bindung zwischen den Schwestern trotz allem stark bleibt und immer wieder neue Facetten zeigt. Was mir besonders gefallen hat: Die Mischung aus Mystery, Folklore, Fantasy und Horror ist nicht nur gruselig, sondern auch intelligent aufgebaut. Man liest keine reine Action-Geschichte, sondern ein Puzzle aus Erinnerungen, Fragmenten und bedrohlichen Andeutungen, die am Ende in einem starken Finale zusammenlaufen.