Sena und Shu hatten zu Schulzeiten kaum Kontakt. Zwei Jahre nach dem Abschluss treffen sie sich zufällig am winterlichen Meer wieder und beginnen, fast unmerklich, eine enge gemeinsame Routine aufzubauen. Ein ganzes Jahr verbringen sie jede freie Minute miteinander, ein stilles, vertrautes Band, das keine großen Worte braucht.
Bevor sie jedoch dazu kommen, ihre Gefühle offen auszusprechen, passiert ein Unfall. Shu wacht im Krankenhaus auf und merkt sofort, dass etwas nicht stimmt: Sena wirkt verändert und nennt ihn plötzlich Kutsuna, seinen Nachnamen. Die Geschichte setzt an diesem Bruch an und begleitet die beiden dabei, wie Erinnerung, Nähe, Identität und unausgesprochene Liebe sich neu sortieren.
Der Einzelband arbeitet sehr ruhig und atmosphärisch. Der Fokus liegt weniger auf äußeren Ereignissen als auf inneren Bewegungen. Viel spielt sich zwischen Blicken, Schweigen und kleinen Gesten ab. Die melancholische Stimmung ist konstant spürbar, ein ruhiges, aber emotionales Erzähltempo, das gut zur Thematik passt: Amnesie, Selbstfindung, das Ringen mit der eigenen Sexualität und der Verlust eines selbstverständlichen Wir.
Die Komposition ist typisch für Einzelbände. Kompakt, dicht, manchmal fast zu knapp. Die Richtung der Handlung ist relativ früh erkennbar, was den emotionalen Kern aber nicht schwächt. Das Werk legt Wert auf Sensibilität statt Dramatik, auf Stimmung statt Konfrontation. Die Zeichnungen unterstützen das, mit ruhigen Panels und viel Raum für Atmosphäre.
Der Band war für mich ein angenehmer Read. Vorhersehbar ja, aber auf eine Art, die der Geschichte keinen Abbruch tut. Ich mochte die Stimmung, die Nähe zwischen den Figuren und dieses Grundgefühl von bittersüßer Melancholie. Ein weiterer Band hätte der emotionalen Entwicklung sicher noch mehr Raum geben können, aber als Einzelband funktioniert er dennoch. Für zwischendurch genau richtig. Außerdem bin ich ein bisschen in das Cover verliebt