Kurze Meinung Die Autorin begleitet mich schon sehr lange und ich habe Katzenauge erstmals im Jahr 1990 gelesen. Es hat mich damals fasziniert und bewegt. Obwohl man glauben könnte, dass es sich hier nur um die Lebensgeschichte einer Künstlerin handelt, so enthält es doch viel mehr in der Tiefe. Die Scham, das Wissen nicht zu genügen, immer alles falsch zu machen und letztlich falsch zu sein, wird Elaine schon früh beigebracht - beigebracht von den Freundinnen, insbesondere von Cordelia. Diese frühen Erfahrungen und Prägungen begleiten sie ihr Leben lang, mal intensiver und mal oberflächlicher. Und trotzdem sind die Auswirkungen immer präsent bis hin zu einem Selbstmordversuch. Der Kampf einfach nur zu sein wie man ist, ist ein Lebenskampf, der Ausdruck in ihrer Malerei findet und im Umgang mit anderen Menschen. Atwood beschreibt hier sehr schön das Dickicht der Gefühle, Empfindungen und der massiven Verdrängung von tiefen emotionalen Verletzungen. Ein Verschließen der Seele in sich selbst, der Aufbau von Bindungsängsten und doch auch immer wieder der Versuch mit anderen in den Kontakt zu gehen - aber bitte nicht zu viel davon. Für mich ist es wieder ein Highlight gewesen, es nach mehr als 35 Jahren erneut zu lesen.