Wir befinden uns in Wiesbaden im Jahr 1951. Das Cafe Engel hat den Krieg überlebt und Familie Koch macht sich wie ganz Deutschland nach dem Krieg an den Wiederaufbau. Dabei ist es der Autorin wieder sehr gut gelungen, die damalige Atmosphäre dieser harten Nachkriegszeit einzufangen. Die resolute Hilde möchte unbedingt das Kaffeehaus mordernisieren, denn das traditionsreiche Künstlercafe hat einen starken Konkurrenten bekommen, der sich nicht gerade zimperlich verhält. Dabei stößt sie immer mal wieder mit ihren Eltern zusammen, die alles so lassen wollen wie es vor dem Krieg war, aber es ist nichts mehr wie es war. Die Menschen wollen nicht zurückschauen, sondern nach vorne und es wird nicht über die kürzlich erfahrenen Schrecken mehr geredet. Hildes Mann Jean-Jaques kann sich nicht damit abfinden, nur im Cafe für seine Hilde zu arbeiten, er hat Sehnsucht nach dem elterlichen Weingut und der Arbeit als Winzer. Da kann sich der Leser gut vorstellen wie lebhaft sich die Kommunikation zwischen dem Ehepaar gestaltet....
Wir lernen auch zwei neue Protagonisten kennen, denn Hildes Brüder Wilhelm und August sind aus dem Krieg zurückgekehrt. Wilhelm war bei dem Amerikanern und August bei den Russen in Gefangenschaft. Jeder der Brüder geht anders mit dem Erlebten um. Während Wilhelm darauf brennt wieder als Schauspieler im Theater in Wiesbaden zu arbeiten und das Leben wieder zu beginnt zu genießen, indem er sich eine flüchtige Affäre nach der nächsten leistet, sein Herz jedoch nur an einer ganz bestimmten Frau hängt, verbringt August traumatisiert seine Tage und Nächte in seinem abgedunkelten Zimmer, alleine mit sich und seinen Erinnerungen und fühlt sich unfähig wieder auf das Leben in der Gegenwart einzulassen. Bis er bei einem Spaziergang im Kurpark eine Begegnung hat, die sein Leben für immer verändern wird und seine Familie alles andere als begeistert...
Während August in Russland in Gefangenschaft war, begegnen wir auch Swetlana, eine junge Russin, die währende des Krieges als Zwangsarbeiterin nach Deutschland verschleppt wurde und ein Kind von einem deutschen Offizier hat. Ihre Sehnsucht ist ihr Heimatort in Russland, das hält sie am Leben, doch sie merkt schnell, dass sie keine Zukunft mehr in Russland hat. Die großflächige Zerstörung, die der Krieg in den Familien angerichtet hat, zerstört auch ihre Hoffnung eine Zukunft in ihrer Heimat zu haben und so macht sie sich wieder auf den Weg zurück nach Deutschland. Dabei macht sie die Erfahrung, dass es böse Menschen in allen Nationalitäten gibt und es nicht auf eine Nation, die "bösen Deutschen" oder die "bösen Russen" begrenzt ist. Doch das begreifen ja leider auch die Menschen nicht, besonders nicht in gewissen Kreisen der Regierung.
Marie Lamballe ist es wieder auf ihre einmalige Art und Weise die Nachkriegszeit in Deutschland wieder auferstehen zu lassen. Dabei zeigt sie ganz deutlich auf, wie hart die Menschen damals zu arbeiten hatten, wie wenig sie besaßen weil alles so nachhaltig im Krieg zerstört worden ist. Diese bildhaften Beschreibungen haben mir sehr gut gefallen, denn der Krieg und der Wiederaufbau danach wurde auf dem Rücken der einfachen Menschen ausgetragen. Gut, sich daran immer wieder zu erinnern. Ein schönes Detail dieser Romanreihe ist, dass es im Klappentext immer ein Kuchenrezept der jeweiligen Zeit gibt. Diesmal sind es Rumkugeln, hervorragend geeignet um Kuchenreste zu verarbeiten, denn damals lies man nichts verkommen, aus allem wurde noch irgendetwas gemacht. Also Rumkugeln bereitstellen und einen guten Kaffee und dann lesen.....