Kein Thriller. Keine Spannung. Selten unsympathische Protagonistin ¿ gottlob wurde sie überfahren!
"Die Bosheit" ließ sich schnell und problemlos lesen, allerdings war das Buch furchtbar nichtssagend - und definitiv kein Thriller.Am Anfang bereiteten mir die vielen Namen ein wenig Schwierigkeiten, im Verlauf des Romans legte sich das indes. Dafür verwirrten mich die verschiedenen Zeitebenen - eine von mir verfluchte, in den letzten Jahren zunehmend in Mode kommende Erzählweise - mitunter, weil sich das Davor und Danach des Unfalls erzählerisch kaum unterschieden.Der Klappentext suggerierte zumindest mir, es handle sich hierbei um einen Spannungsroman voller Nachbarschaftsintrigen, wobei es irgendjemand auf Bianca und Mikael abgesehen habe. Latent klang zudem an, die beiden seien vor etwas in ihrem alten Wohnort geflohen. Nun, gewissermaßen waren sie das auch, allerdings vor einem selbst eingehandelten Disziplinarverfahren.Statt Zwiespalt herrschte in der Krachmacherstraße ein einigermaßen harmonisches Miteinander, außer in Bezug auf Ex-Model Jacqueline mit ihrem sich geistig von anderen Jugendlichen unterscheidenden Sohn Fabian, die beiden wurden nämlich von den anderen ausgegrenzt, man könnte guten Gewissens sagen gemobbt - allen voran von Bianca. Dadurch verlor diese bei mir so viele Sympathiepunkte, dass ich ihren Tod kaum betrauern konnte.Der Autor versuchte den Plot um die Frage zu spinnen, ob Jacqueline Bianca absichtlich angefahren hatte, verfehlte es dabei gleichwohl, Spannung zu erzeugen. (SPOILER) Am Ende wurde aufgelöst, Fabian, der Autoliebhaber ohne Führerschein, habe am Steuer gesessen, was wenig überraschend kam. Mir gefiel nicht, dass er auf den letzten Seiten noch zum fiesen Antagonisten gemacht wurde, der absichtlich gemordet hatte, denn ich hatte ihn als missverstandenes Opfer viel lieber gemocht. (SPOILER ENDE)Darüber hinaus war der Text merkwürdig gesetzt: Redebeiträge waren teilweise von der dazugehörigen Handlung durch Zeilenumbrüche getrennt, was es erschwerte, zu folgen, wer gerade überhaupt sprach.Fazit: "Die Bosheit" war beileibe kein Thriller, sondern ein Beziehungsdrama, in dessen Mitte eine derart unsympathische Figur als Opfer inszeniert wurde, dass man ihr Überfahrenwerden höchstens als Karma feiern konnte.