Ein leiser, kluger Roman über Menschlichkeit, gesellschaftliche Zwänge und den Mut, trotz allem seinen eigenen Weg zu gehen.
Hamburg 1959. Die junge Ärztin Dr. Renate Schwarz hat in der Psychiatrie Ochsenzoll nicht nur ihren Arbeitsplatz, sondern ihren Platz gefunden. Auf der Frauenstation arbeitet sie zunehmend sicher, fachlich anerkannt und getragen von einem vertrauensvollen, von Respekt geprägten Verhältnis zu ihrem Chefarzt Dr. Walter.Neben anspruchsvollen und vielschichtigen Patientenfällen geht es bei Renate auch privat alles andere als gemächlich zu. Ihr Onkel wird aufgrund des Paragrafen 175 überwacht, der männliche Homosexualität kriminalisiert und Existenzen zerstört. Ihr Verlobter Matthias Studt sieht sich nach einer schweren Knieverletzung gezwungen, seine Profikarriere als Fußballer aufzugeben und rutscht in eine tiefe seelische Krise, auch Renate an ihre Grenzen bringt. Als dann auch noch Besuch aus Amerika ansteht, Onkel Rudi mit seiner schillernden, exzentrischen Ehefrau Goldie, gilt es mehr denn je Ruhe zu bewahren. Melanie Metzenthin, selbst Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, erzählt diese Geschichte mit großer Sachkenntnis und feinem Gespür. Sie gibt psychischen Erkrankungen, gesellschaftlichen Zwängen und dem Frauenbild der späten fünfziger Jahre genau den Raum, den sie verdienen, ohne zu dramatisieren und ohne zu beschönigen. Ihr Stil ist ruhig, präzise und klar, getragen von Empathie und einem tiefen Verständnis für ihre Figuren. Besonders Renate überzeugt als kluge, reflektierte und stille Heldin, die sich in einer von Männern dominierten Welt behaupten muss.So entsteht ein vielschichtiger, atmosphärisch dichter Roman, der eindrucksvolle Einblicke in die psychiatrische Versorgung der Nachkriegszeit bietet und zugleich Themen wie Gleichstellung, gesellschaftliche Moralvorstellungen und die Verfolgung homosexueller Menschen sensibel und klug miteinander verwebt.Diese Fortsetzung ist eine anspruchsvolle, fesselnde Lektüre, die nicht laut sein muss, um nachhaltig zu wirken. Sie fordert Aufmerksamkeit, vertraut auf Zwischentöne und belohnt mit Tiefe. Zurück bleibt ein leises, nachdenkliches Echo. Ein Buch, das noch lange weiterarbeitet, nachdem man die letzte Seite umgeschlagen hat.