Gut
Ich muss sagen: Wenn ich rein die Sprache betrachte, ist Das Parfüm wirklich eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe - allerdings mit dem klaren Hinweis, dass ich mich dabei ausschließlich auf die Sprachkultur beziehe. Deshalb gebe ich dem Buch auch gerne 3,5 Sterne. Was den Inhalt angeht, bin ich jedoch zwiegespalten.Mich konnte das Thema nicht wirklich abholen. Für meinen Geschmack wurde weder Spannung aufgebaut noch echte Dramatik erzeugt. Stattdessen wirkt vieles eher verstörend: Es geht um einen talentierten Parfümeur, der den Drang entwickelt, den Duft von jungen Frauen einzufangen - einen Duft, den sie nur im Tod freigeben.Da ich nicht spoilern möchte, gehe ich nicht näher auf sein Schicksal ein - nur so viel: Es ist eines, das ihn letztlich zurecht ereilt und das er sich am Ende sogar selbst aussucht.Das Buch ist in vier Teile gegliedert, von denen ich einen persönlich als eher unwichtig empfunden habe. Aber das ist natürlich nur meine subjektive Meinung.Im Kern dreht sich die Geschichte um Fanatismus und falsche Hingabe. Gleichzeitig bekommt man auch einen Einblick in eine gewisse "Schönheit" der Privilegien aus der Perspektive des Täters, besonders gegen Ende des Buches.Alles in allem ist es ein Blick auf Moralvorstellungen, die man zwar nachvollziehen muss, obwohl sie eigentlich nicht nachzuvollziehen sind. Ich habe das Buch mit gemischten Gefühlen beendet und war leicht unbefriedigt, da es nicht ganz meinen Erwartungen entsprochen hat.Trotzdem bin ich froh, es gelesen zu haben und nun zu dem Kreis derjenigen zu gehören, die dieses Werk kennen. Ich hätte das Buch vermutlich abgebrochen, wäre es nicht in dieser außergewöhnlich guten erzählerischen Art geschrieben worden.Andere Werke von Patrick Süskind kenne ich bisher nicht, aber aufgrund seines Schreibstils kann ich mir gut vorstellen, weitere von ihm zu lesen.Ich würde das Buch dennoch jedem empfehlen, der gerne liest. Allein wegen seines Wortschatzes und der Erzählweise ist es ein bedeutendes Stück Kulturgut. Außerdem ist es mit etwas über 300 Seiten ein Roman, den man gut an ein oder zwei Abenden lesen kann.