Für mich 3.5 Sterne
Nachdem ich "REM" von Annika Strauss und Sebastian Fitzek gelesen hatte und positiv überrascht war, wollte ich unbedingt mehr von Fitzek ausprobieren. In meiner Bibliothek war nur "Das Kalendermädchen" verfügbar - aber da mich urbane Legenden ohnehin faszinieren und der Klappentext vielversprechend klang, war das völlig in Ordnung. Allein das Cover hätte mich allerdings nicht zum Zugreifen bewegt. Es wirkt auf mich erstaunlich nichtssagend, fast schon austauschbar, und ich hätte mir etwas Atmosphärischeres gewünscht, vielleicht die schwarze Kerze im Fenster, die in der Geschichte eine so markante Rolle spielt.Der Einstieg hingegen hat mich sofort gepackt. Die Legende rund ums "Kalendermädchen" erzeugt gleich zu Beginn eine feine Gänsehaut, und ich war neugierig, wohin das alles führen würde. Doch sobald Olivia als zentrale Perspektivfigur übernimmt, flacht die Spannung für mich spürbar ab. Sie wird als betrogene Ehefrau, als Mutter einer schwer kranken Tochter und als Psychologin mit einem fragwürdigen Podcast über religiös motivierte Straftaten eingeführt - und trotzdem bleibt sie für mich erstaunlich blass. Ich mochte ihren Kampfgeist für ihre Tochter, aber viele ihrer Kapitel wirkten auf mich eher zäh, teilweise sogar überladen mit Details, die für die Handlung kaum Relevanz hatten. Ihre Phobie ist dafür ein gutes Beispiel: Sie wird erwähnt, aber sie trägt wenig zur eigentlichen Geschichte bei.Auch die Zeitsprünge haben mir das Lesen unnötig erschwert. Dieses ständige "11 Jahre später", "21 Jahre zuvor", "21 Jahre später", "Damals" - und das im Wechsel zwischen Olivias Perspektive und der des Kalendermädchens sowie zwischen Vergangenheit und Gegenwart - hat mich immer wieder aus dem Lesefluss gerissen. Wenn das Fitzeks typischer Stil ist, dann ist es wohl einfach nicht meiner.Ganz anders ging es mir mit den Rückblenden zum Kalendermädchen selbst. Diese Kapitel fand ich durchgehend spannend, atmosphärisch dicht und emotional greifbar. Sie waren letztlich auch der Grund, warum ich bis zum Ende dabeigeblieben bin. Die Frage, wie viel Wahrheit in der urbanen Legende steckt, die Olivia zu entschlüsseln versucht, wie weit die Ereignisse tatsächlich zurückreichen und was damals wirklich passiert ist, hat mich durchgehend fasziniert. Auch die Wendungen im letzten Drittel fand ich grundsätzlich gelungen, auch wenn einige davon für mich etwas konstruiert wirkten. Manche Handlungspunkte haben eher Stirnrunzeln ausgelöst, weil sie sich nicht ganz organisch in die Geschichte eingefügt haben. Vielleicht ist es genau diese Mischung aus starken Momenten und fragwürdigen Entscheidungen, die mich am Ende etwas zwiegespalten zurückgelassen hat.Insgesamt mochte ich "Das Kalendermädchen", aber nicht genug, um sofort zum nächsten Fitzek zu greifen. Vielleicht braucht es einfach das richtige Buch zur richtigen Zeit - oder vielleicht ist sein Stil schlicht nicht meiner. Fazit: Ein atmosphärischer Thriller mit einer faszinierenden urbanen Legende und starken Rückblenden, der jedoch durch eine blasse Protagonistin, verwirrende Zeitsprünge und einige konstruiert wirkende Wendungen an Kraft verliert. Für Fans von düsteren Mythen sicher interessant, für mich aber kein Highlight.