Hab mein persönlichen Rekord gebrochen und das Buch in 7 1/2 Stunden durchgelesen...
Das war endlich Mal wieder ein Fitzek, der zu den genialen seiner Sorte gehört.Es kann potentiell triggernd sein, da Perversion und Gewalt, sowie Suizid in diesem Buch Hauptthemen sind. Und gerade Gewalt in der Ehe ist ein Thema, das ich für viele Romane dieser Art eine spannende Grundlage bildet. Dennoch bitte vorsichtig mit sich umgehen, wenn beim Lesen bemerkt wird, dass man gerade getriggert wird.Die Charaktere waren super interessant, auch wenn ich mit Klara als Protagonistin nicht ganz sympathisiert habe. Auch wenn sie in einer Ausnahmesituation gehandelt hat, muss ich doch sagen, dass sie teilweise so unverständlich gehandelt hat. Jules war ein wirklich spannender Charakter, der eine sehr starke Entwicklung hingelegt hat im Verlaufe des Buches und man kann ihn, meiner Meinung nach, bis zum Ende nachvollziehen. Außerdem finde ich, dass er sich ziemlich von anderen Protagonisten aus anderen Büchern positiv abhebt (ist im Bezug auf das Helfersyndrom nicht so nervig, sondern einfach sehr interessiert). Gerade gegen Ende finde ich seine Reflexion und seine Ansicht über die Problematik, die in der Geschichte aufgegriffen wird, und sich selbst nicht nur sehr interessant, sondern zum Teil auch humorvoll. Ich konnte nicht anders, als ihn am Ende sympathisch zu finden. Bei den Antagonisten hat sich Fitzek selbst übertroffen, weil ich jedes Mal denke, er könnte sich nichts Krasseres ausdenken und jedes Mal schockieren die Figuren den Leser aufs Neue. Abgesehen von den Plottwists, die mich ein ums andere Mal aufstehen lassen haben, um mir an den Kopf zu fassen und zu verdauen, was ich da gerade gelesen habe, hat die Abartigkeit und Perversion der Antagonisten genau das Gleiche bewirkt. Ich konnte nicht aufhören zu lesen und musste wissen wie es weitergeht, aber gleichzeitig konnte ich nicht fassen was zum Teil passiert ist. Die Plottwists haben mich ganz zerstört und obwohl ich immernoch nicht weiß, ob ich es gut oder schlecht fand, dass mich das Buch zwischen ca. Seite 320 ~ Ende hinterfragen lassen hat, ob ich Seiten übersprungen habe, weil ich gar nichts mehr verstanden habe, hat das Buch genau die Reaktionen bei mir hervorgerufen, die ich mir gehofft habe. Und zwar schockiert und ungläubig durchs Zimmer laufen und realisieren was passiert ist. Die Plottwists waren also ziemlich hart, Danke dafür.Die Geschichte hatte durchgehend einen extrem hohen Spannungsbogen. Er hat sich sofort aufgebaut und sich ab da konstant gehalten, also quasi die Definition eines Page Turners. Allerdings gab es ein paar kleine Logistikfehler, bei denen bis zum Ende nicht klargeworden geworden ist, was genau in der Zeit passiert ist. Zum Beispiel wann Jules mit dem Taxi gefahren ist (wer das Buch gelesen hat weiß was ich meine, ich versuche nicht zu spoilern) oder dass im Vergleich zum Ende die Gespräche zwischen Jules und seinem Vater nicht mehr wirklich viel Sinn ergeben. Das ist aber interessanterweise eines der Bücher, bei denen der Rest des Buches so gut ist, dass diese Fehler das Buch nicht schlechter machen.Also alles in allem hat es mich zumindest temporär aus einer Leseflaute geholt und damit würde ich das Buch allen Leseflautegeplagten, Psychothriller habern, Feministinnen und Menschen, denen das Thema nahegeht, empfehlen.