"Die vergessene Tochter" ist bereits der siebte Band von Soraya Lanes Töchter-Reihe und führt diesmal nach Norwegen. Mit seinen tiefblauen Fjorden, schroffen Bergen, stillen Seen und den langen Sommernächten bildet das Land eine eindrucksvolle Kulisse, die der Geschichte eine ganz besondere Atmosphäre verleiht.
Im Jahr 1950 arbeitet die junge Amalie als Zimmermädchen in einem norwegischen Hotel. Dort verliebt sie sich in Oskar, den Sohn des Hotelbesitzers. Schnell wird klar, dass ihre Beziehung keine Zukunft haben soll, und schließlich findet sich Amalie schwanger und völlig mittellos im Hopes House in London wieder, einem Heim für ledige Mütter.
In der Gegenwart begleitet man Charlotte, die nach einem Zerwürfnis mit ihrem Vater Norwegen verlassen hat und inzwischen als erfolgreiche Köchin in London arbeitet. Als sie ein Kästchen aus dem Hopes House erhält, beginnt sie sich zu fragen, ob ihre Urgroßmutter vielleicht adoptiert wurde und das Kästchen ihre wahre Herkunft lüften könnte.
Ein Angebot als Chefköchin in einem angesagten Hotel in Oslo erscheint ihr wie ein Wink des Schicksals, denn so kann sie nicht nur beruflich neu anfangen, sondern auch den Spuren ihrer Familie folgen. Im Hotel begegnet sie dem charismatischen Architekten Harrison, zu dem sie sich schnell hingezogen fühlt. Doch auch Harrison trägt ein Geheimnis aus seiner Vergangenheit mit sich.
Soraya Lane erzählt wieder aus wechselnden Perspektiven und lässt den Leser am Leben beider Frauen teilhaben. Besonders die Kapitel um Amalie und Oskar haben mir gut gefallen. Ihre Liebesgeschichte ist ungewöhnlich und berührend, auch wenn von Anfang an spürbar ist, dass sie unter keinem guten Stern steht.
Die norwegische Landschaft und ihre besondere Stimmung sind schön in die Handlung eingebunden. Gerade die Szenen in Oslo und die Beschreibungen der Natur haben mir gefallen und sorgten dafür, dass ich mich gut in die Geschichte hineinversetzen konnte.
Mit dem eigentlichen Familiengeheimnis hatte ich allerdings meine Probleme. Dieses Mal erschien es mir fast schon etwas lapidar, bereits auf den ersten Seiten wurde klar, dass Charlottes Großmutter nicht adoptiert war, zu groß ist die Ähnlichkeit zwischen Mutter und Tochter. Für meinen Geschmack wurde der Vergangenheitsteil unnötig in die Länge gezogen und künstlich aufgebläht. Nach dem bisherigen Verlauf empfand ich die Entwicklung am Ende schließlich als wenig glaubwürdig und stellenweise auch ziemlich kitschig. Auch die sich anbahnende Beziehung zwischen Charlotte und Harrison konnte mich nicht vollständig überzeugen.
Ich habe das Buch dennoch gerne gelesen, aber richtig gepackt hat es mich leider nicht. Für mich gehört "Die vergessene Tochter" nicht zu den stärksten Bänden der Reihe. Trotzdem bin ich sehr gespannt auf den abschließenden Teil und hoffe, dass dort endlich das Geheimnis um Hopes House vollständig gelüftet wird.
Fazit:
Nett zu lesen und atmosphärisch gelungen, doch das Familiengeheimnis blieb für mich leider zu banal und kitschig.