Reva ist die Hauptverdienerin in ihrer Familie und muss sich um ihre todkranke Mutter und ihren jüngeren Bruder kümmern. Um die Kosten zu decken und die Familie in der untersten Schicht der Gesellschaft irgendwie durch zu bringen, kämpft Reva Nachts in den schäbigen uns schlecht bezahlten Ringkämpfen der Sektoren. Dabei wird sie von einem der herrschenden Häusern entdeckt und sie muss sich entscheiden: entweder sie bleibt bei dem wenigen Geld, das sie durch die Straßenkämpfe gewinnt, oder sie kämpft in der offiziellen Arena für die medizinische Behandlung und den Erhalt ihrer Familie. Schnell ist klar wofür Reva sich, auch gegen den ausdrücklichen Willen ihrer Mutter, entscheidet. Doch war das wirklich die bessere Wahl? Kann sie ihre Familie retten? Und was hat es mit der angeblichen Rebellion auf sich, die den herrschenden Kaiser und das ganze System stürzen will?
"Arena 89" ist ein Sci-Fi Roman, der in einer Zukunft spielt, die geprägt ist von Leid, Macht, Brutalität und Kontrolle. Das alte Sprichwort der Römer: "Brot und Spiele", wurde neu aufgegriffen und bietet den verzweifelten Bewohnern des Schauplatzes der Geschichte ein persönliches Erlebnis der "Gladiatorenkämpfe". Die Zuschauer sind durch neuste Technologie neuronal mit den Kämpfenden in der Arena verbunden und spüren jede Berührung und jede Emotion, als wäre es die Eigene. Dabei zählt, ähnlich wie in "Die Farben des Blutes" und "Die Tribute von Panem", für die Mächtigen nur eins: Wessen Kämpfer mehr Aufmerksamkeit generiert und das Publikum für sich begeistern kann, hat die Macht. Die Stadt, welche in mehrere Sektoren aufgebaut ist, wird von verschiedenen "Häusern" verwaltet und Kontrolliert, mit einem Kaiser an der Spitze. Ähnlich wie in "Die Bestimmung" gibt es außerhalb der Millionenstadt keine Changs zu überleben, doch die Ordnung des Systems steht kurz vor dem Zusammenbruch...
Zwar ist die Grundidee von Stephan Steinthal nicht völlig neu und leider an vielen Stellen, besonders in der zweiten Hälfte des Buches, sehr voraussehbar, dennoch hat mich die Handlung von der ersten Seite an gefesselt. Durch das rasende Erzähltempo bin ich innerhalb weniger Stunden durch die Seiten geflogen und konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Dadurch gab es keine langatmigen Stellen, was für mich die Stärke des Buches ausmacht.
Leider war es das dann auch schon. Besonders das Wordbuliding hat mich wiederholt irritiert. Das Buch wird mit "starke(n sprachlichen) Bildern" beworben, die es auch auf jeden Fall gibt. Allerdings lässt die Vielfältigkeit der Formulierungen zu wünschen übrig. Ähnliche Stellen und sich wiederholende Situationen (die an sich in der Storyline ihre Daseinsberechtigung haben), werden zum Teil eins zu eins mit den selben Wörtern und teilweise sogar den gleichen Sätzen beschrieben. Und das nicht nur ein einzelnen Fällen. Auch fehlt die Introduktion vieler Charaktere. Auf der einen Seite wird die Geschichte dadurch noch schneller erzählt (ich kann mir viele Namen eh nie rechtzeitig merken, bevor sie schon sterben), auf der anderen Seite lernt man die meisten Protagonisten nie richtig kenne, bzw bekommt keine Vorstellung von ihnen. So bleiben beinahe alle Figuren Statisten im Buch, ohne eigene Geschichte. Zusätzlich gibt es kaum bis gar keine Charakterentwicklung, weder bei unserer Hauptrolle Reva, noch bei irgendwelchen anderen Aktören im Buch. Auch kleinere Logikfehler haben mich deutlich gestört, obwohl ich hier fairere Weise schon viel schlimmere Geschichten gelesen habe.
Alles in allem hat mich "Arena 89" gut entertaint und mit einem flotten Erzähltempo und einer tollen Idee hat es sich die 3,5 Sterne in der Bewertung verdient. Das Wordbuliding, die Charakterbeschreibung, -bildung und -entwicklung, sowie die Logikfehler und die voraussehbare Storyline dämpfen die Bewertung entsprechend.
Dennoch ist das Buch eine Empfehlung wert. Besonders für Lesende, die gerne eine schnelle Erzählung, ohne unnötige Schnörkel konsumieren und sich von Arenakämfpen und einer unermüdlichen (beinahe zu starken) Heldin begeistern lassen. Ich bin jedenfalls schon sehr gespannt auf die Fortsetzung...