
This study examines remote shareholder resolutions in German and French company law from a comparative legal perspective. It focuses on the tension between three core shareholder interests: flexibility in decision-making, protection of participation rights, and legal certainty of resolutions. The central premise is that both legal systems face comparable challenges arising from digitalization, yet have developed different legal approaches that may serve as mutual sources of inspiration for legal reform and harmonization.
The analysis follows a functional comparative method and is structured according to the degree of contractual freedom within the respective company forms. It examines companies with broad organizational flexibility - in particular the German civil-law partnership (GbR), the société civile, the limited liability company (GmbH), and the société à responsabilité limitée - as well as companies subject to stricter statutory regulation, such as the stock corporation (AG), the société anonyme, the partnership limited by shares (KGaA), and the société en commandite par actions. For each company form, the study addresses direct and indirect resolution procedures, defects in resolutions, and special rules introduced during the pandemic.
The study demonstrates that both legal systems often arrive at comparable outcomes while relying on different doctrinal approaches. French law proves in some respects to be more advanced from a regulatory perspective, particularly regarding digital participation in shareholders' meetings and the reformed law on defective resolutions. The work also develops concrete proposals for the harmonization of digital company law.
Die Arbeit untersucht präsenzlose Gesellschafterbeschlüsse im deutschen und französischen Gesellschaftsrecht aus rechtsvergleichender Perspektive. Im Mittelpunkt steht das Spannungsverhältnis zwischen Flexibilität der Beschlussfassung, Wahrung der Teilnahmerechte und Sicherung der Beschlussbeständigkeit. Ausgangspunkt ist die These, dass beide Rechtsordnungen vor vergleichbaren Herausforderungen der Digitalisierung stehen, jedoch unterschiedliche rechtliche Lösungsansätze entwickelt haben, die Impulse für Rechtsfortbildung und Rechtsharmonisierung bieten können.
Die Untersuchung legt eine funktionale Methode des Rechtsvergleichs zugrunde und gliedert nach dem Grad der Gestaltungsfreiheit der jeweiligen Gesellschaftsform. Analysiert werden Gesellschaften mit weitgehender Gestaltungsfreiheit - insbesondere GbR, société civile, GmbH und société à responsabilité limitée - sowie Gesellschaften mit stärkerer gesetzlicher Bindung wie Aktiengesellschaft, société anonyme, Kommanditgesellschaft auf Aktien und société en commandite par actions. Für jede Gesellschaftsform werden unmittelbare und mittelbare Beschlussverfahren, Beschlussmängel sowie pandemiebedingte Sonderregelungen untersucht. Die Analyse zeigt, dass beide Rechtsordnungen häufig zu vergleichbaren Ergebnissen gelangen, dabei jedoch unterschiedliche dogmatische Wege beschreiten. Das französische Recht erweist sich teilweise als regelungstechnisch fortschrittlicher, etwa bei der digitalen Teilnahme an Hauptversammlungen und im reformierten Beschlussmängelrecht. Die Studie entwickelt zudem konkrete Vorschläge zur Harmonisierung des digitalen Gesellschaftsrechts.
Inhaltsverzeichnis
§ 1 Einleitung
A. Einführung
B. Problemstellung und Gegenstand der Untersuchung
C. Erkenntnisinteresse und Ziel der Untersuchung
D. Prämissen
E. Methodik und Gang der Untersuchung
Teil 1: Präsenzlose Gesellschafterbeschlüsse in Gesellschaften mit ausgeprägter Gestaltungsfreiheit
§ 2 Die GbR und die SC
A. Allgemeine Anforderungen an Gesellschafterbeschlüsse
B. Unmittelbare Gesellschafterbeschlüsse
C. Mittelbare Gesellschafterbeschlüsse
D. Beschlussmängel
E. Vergleich: Präsenzlose Gesellschafterbeschlüsse
§ 3 Die GmbH und die SARL
A. Allgemeine Anforderungen an Gesellschafterbeschlüsse
B. Unmittelbare Gesellschafterbeschlüsse
C. Mittelbare Gesellschafterbeschlüsse
D. Beschlussmängel
E. Vergleich: Präsenzlose Gesellschafterbeschlüsse
§ 4 Vergleich: Bewertung bei ausgeprägter Gestaltungsfreiheit
A. Bewertung der Systemeffizienz bei ausgeprägter Gestaltungsfreiheit
B. Bewertung der Billigkeit bei ausgeprägter Gestaltungsfreiheit
Teil 2: Präsenzlose Gesellschafterbeschlüsse in Gesellschaften mit eingeschränkter Gestaltungsfreiheit
§ 5 Die AG und die SA
A. Allgemeine Anforderungen an Gesellschafterbeschlüsse
B. Präsenzlose Gesellschafterbeschlüsse bei körperlicherHauptversammlung
C. Präsenzlose Gesellschafterbeschlüsse bei virtueller Hauptversammlung
D. Beschlussmängel
E. Vergleich: Präsenzlose Gesellschafterbeschlüsse .
§ 6 Die KGaA und die SCA
A. Allgemeine Anforderungen an Gesellschafterbeschlüsse
B. Präsenzlose Gesellschafterbeschlüsse bei körperlicherHauptversammlung
C. Präsenzlose Gesellschafterbeschlüsse bei virtueller Hauptversammlung
D. Beschlussmängel
E. Vergleich: Präsenzlose Gesellschafterbeschlüsse
§ 7 Vergleich: Bewertung bei eingeschränkter Gestaltungsfreiheit
A. Bewertung der Systemeffizienz bei eingeschränkter Gestaltungsfreiheit
B. Bewertung der Billigkeit bei eingeschränkter Gestaltungsfreiheit
§ 8 Fazit: Rechtsfortbildung und Rechtsharmonisierung
A. Begründung divergierender Lösungen
B. Rechtsfortbildungs- und Rechtsharmonisierungsempfehlungen
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