Mehr als eine Liebesgeschichte: emotional, erschütternd und erschreckend authentisch. Ein Roman, der lange nachhallt.
¿¿Triggerwarnung:Das Buch behandelthäusliche Gewaltsowietraumatische Kindheitserfahrungen.Manchmal gibt es Bücher, von denen man glaubt, ihre Geschichte bereits zu kennen. Genau so ging es mir mit"Nur noch ein einziges Mal". Die Verfilmung hatte ich bereits gesehen und wusste daher grob, was mich erwarten würde. Trotzdem wollte ichColleen HooversRoman lesen - und wurde überrascht. Denn obwohl mir die Handlung nicht völlig unbekannt war, hat das Buch nichts von seiner emotionalen Wucht verloren. Im Gegenteil: Schon nach wenigen Seiten war ich vollkommen in Lilys Geschichte gefangen.Mit "Nur noch ein einziges Mal" erschien 2017 imdtv Verlagder Auftakt der Dilogie umLily, Ryle und Atlas. Auf 416 Seiten erzähltColleen Hoovereine ebenso intensive wie emotionale Geschichte, die autobiografische Züge trägt und ein sensibles Thema mit bemerkenswerter Ehrlichkeit behandelt.Im Mittelpunkt steht die 23-jährigeLily Bloom, die nach ihrem College-Abschluss nach Boston zieht, um sich ihren Traum von einem eigenen Blumengeschäft zu erfüllen. Als sie den erfolgreichen NeurochirurgenRyle Kincaidkennenlernt, scheint das Leben endlich in die richtige Richtung zu gehen. Doch alsAtlas Corrigan- ihre erste große Liebe - plötzlich wieder auftaucht, holenLily nicht nur ihre Vergangenheit, sondern auch längst verdrängte Erinnerungen ein.Mehr sollte man über die Handlung gar nicht wissen. Gerade dieses allmähliche Erkennen der Zusammenhänge macht einen großen Teil der emotionalen Wirkung aus.Erzählt wird die Geschichte vollständig ausLilys Ich-Perspektive. Ergänzt wird der Roman durch Tagebucheinträge in Form von Briefen anEllen DeGeneres, die Einblicke inLilys Jugend geben und nach und nach ihre Beziehung zuAtlas sowie ihre schwierige Kindheit offenbaren. Diese Rückblenden verleihen der Geschichte zusätzliche Tiefe, auch wenn sie meinen Lesefluss stellenweise ein wenig ausgebremst haben.Colleen HooversSchreibstil ist modern, klar und angenehm schnörkellos. Die Seiten fliegen förmlich dahin, weil sie es schafft, Emotionen greifbar zu machen, ohne dabei überladen zu wirken. Statt auf künstliche Dramatik setzt sie auf authentische Dialoge, glaubwürdige Figuren und leise Zwischentöne. Gerade dadurch entfaltet die Geschichte ihre ganze Intensität.Besonders beeindruckt haben mich die Charaktere. Sie wirken vielschichtig, glaubwürdig und psychologisch hervorragend ausgearbeitet.MitLily musste ich zunächst etwas warm werden. Anfangs erschien sie auf mich verschlossener und verbitterter, als ich erwartet hatte. Doch je besser ich sie kennenlernte, desto mehr verstand ich ihre Ängste, ihre Unsicherheiten und ihre Entscheidungen. Nach und nach entwickelte sie sich für mich wieder zu der warmherzigen, mitfühlenden jungen Frau, die man bereits in den Rückblicken kennenlernt. Ihre Entwicklung gehört für mich zu den größten Stärken des Romans.Ryle zählt wohl zu den komplexesten Figuren, die ich seit Langem gelesen habe. Intelligent, charmant, aufmerksam und erfolgreich - gleichzeitig besitzt er eine Seite, über die ich bewusst nicht mehr verraten möchte. Gerade diese Ambivalenz macht ihn zu einer Figur, die einen immer wieder herausfordert und zum Nachdenken bringt.Atlas hingegen war mir vom ersten Moment an sympathisch. Seine ruhige, geduldige und selbstlose Art bildet einen gelungenen Gegenpol zu den anderen Figuren. Er drängt sich nie in den Vordergrund und hinterlässt dennoch einen bleibenden Eindruck.WasColleen Hooverbesonders gelungen ist: Sie zeichnet ihre Figuren niemals in Schwarz und Weiß. Statt einfache Antworten zu liefern, zeigt sie Menschen mit Fehlern, Widersprüchen und Verletzungen. Dabei musste ich immer wieder an ein Zitat aus dem Buch denken:"So was wie schlechte Menschen gibt es nicht. Wir sind alle bloß Menschen, die manchmal schlimme Dinge tun."Kaum ein Satz beschreibt den Kern dieses Romans besser.Besonders berührt hat mich, wie sensibel das Thema häusliche Gewalt behandelt wird. Die Autorin zeigt eindrucksvoll, wie komplex solche Situationen sein können und wie schwer es ist, Entscheidungen zu treffen, wenn Liebe, Hoffnung und Angst untrennbar miteinander verwoben sind. Mehr als einmal habe ich mich gefragt, wie ich selbst in einer solchen Situation handeln würde. Genau das macht dieses Buch so eindringlich. Es erzählt nicht einfach eine Geschichte - es regt zum Nachdenken an.Eine Szene hat mich emotional so getroffen, dass mir tatsächlich die Tränen kamen. Und obwohl ich den Ausgang durch den Film bereits kannte, hat das meine Gefühle beim Lesen in keiner Weise abgeschwächt.Besonders passend fand ich dieses Zitat:"Womöglich kann man sich nie ganz von einem Menschen lösen, den man einmal wirklich geliebt hat."Es bringt die emotionale Zerrissenheit der Geschichte auf den Punkt und begleitet einen noch lange über die letzte Seite hinaus.Fazit:"Nur noch ein einziges Mal" ist weit mehr als eine klassische New-Adult-Romance. Colleen Hoover verbindet eine emotionale Liebesgeschichte mit einem gesellschaftlich wichtigen Thema und erschafft Figuren, die sich echt anfühlen - mit all ihren Stärken, Schwächen und Widersprüchen. Gerade diese Authentizität macht den Roman so eindringlich.Wer tiefgründige Liebesgeschichten mit emotionaler Wucht, vielschichtigen Charakteren und psychologischer Tiefe schätzt, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Aufgrund der behandelten Themen ist es keine leichte Wohlfühllektüre, sondern ein Roman, der bewegt, erschüttert und lange im Gedächtnis bleibt.Dilogie:Band 1 - Nur noch ein einziges MalBand 2 - Nur noch einmal und für immer