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Maria Theresia

Die Kaiserin in ihrer Zeit, Eine Biographie. 5. , durchgesehene Auflage. mit 82 Abbildungen, davon 30 in…
Buch (gebunden)
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Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch / Essayistik für Barbara Stollberg-Rilinger.

Eine "Weiberherrschaft" war im 18. Jahrhundert an sich nicht ungewöhnlich - ungewöhnlich aber war, dass Kaiserin Maria Theresia das Geschäft des Re … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Maria Theresia
Autor/en: Barbara Stollberg-Rilinger

ISBN: 3406697488
EAN: 9783406697487
Die Kaiserin in ihrer Zeit, Eine Biographie.
5. , durchgesehene Auflage.
mit 82 Abbildungen, davon 30 in Farbe, 1 Karte und 3 Stammtafeln.
gebunden.
Beck C. H.

16. März 2017 - gebunden - XXVIII

Beschreibung

Preis der Leipziger Buchmesse in der Kategorie Sachbuch / Essayistik für Barbara Stollberg-Rilinger.

Eine "Weiberherrschaft" war im 18. Jahrhundert an sich nicht ungewöhnlich - ungewöhnlich aber war, dass Kaiserin Maria Theresia das Geschäft des Regierens als ihre persönliche Aufgabe derart ernst nahm und mit äußerster Akribie betrieb. Damit unterschied sie sich von vielen europäischen Monarchen, die lieber ihren Neigungen nachgingen und die Amtsgeschäfte gern anderen überließen. Dass Maria Theresia nicht nur in dieser Hinsicht eine außergewöhnliche Frau war, zeigt diese eindrucksvolle Biographie.

Barbara Stollberg-Rilinger lässt in ihrer meisterhaften Darstellung die Verhältnisse am Habsburger Hof, in der Stadt Wien, im Heiligen Römischen Reich und in den vielen Ländern lebendig werden, aus denen sich die Monarchie zusammensetzte. Ihre Haupt- und Staatsaktionen wie der Erbfolgekrieg (1740 - 1748) oder der Siebenjährige Krieg (1756 - 1763) gegen ihren Erzfeind Friedrich den Großen von Preußen werden ebenso anschaulich beschrieben wie das Verhältnis zu Ehe, Sexualität und Schwangerschaft, die Erziehung ihrer vielen Kinder, die Divertissements bei Hofe, die erbitterten Konflikte mit dem Sohn und Mitregenten Joseph II. und nicht zuletzt die unbarmherzige Religionspolitik der kompromisslos katholischen Kaiserin, die am Ende wie aus der Zeit gefallen schien. Gestützt auf zahllose, mitunter kaum bekannte Quellen, entsteht ein ganz einzigartiges Portrait Maria Theresias. Es ist frei von hagiographischen Zügen und zeigt eine Matriarchin von äußerstem Pflichtbewusstsein, die sich selbst ebenso wie ihre Familie und ihre Untertanen einem strengen Regiment unterwarf.


Inhaltsverzeichnis

I. Prolog

II. Die Erbtochter

III. Der Erbfolgekrieg

IV. Kaiserin, Kaiser und Reich

V. Reformen VI. Körperpolitik

VII. Distinktionen und Finessen

VIII. Sieben Jahre Krieg

IX. Das Kapital der Dynastie

X. Mutter und Sohn

XI. Die Religion der Herrschaft

XII. Das Fremde im Eigenen

XIII. Die Untertanen

XIV. Der Herbst der Matriarchin

XV. Epilog

Anhang

Portrait

Barbara Stollberg-Rilinger lehrt als Professorin für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Universität Münster. Sie wurde für ihre Forschungen mit zahlreichen Preisen und Ehrungen ausgezeichnet, unter anderem mit dem Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Preis und dem Preis des Historischen Kollegs. Sie zählt zu den bedeutendsten Historikerinnen unserer Zeit.

Pressestimmen

"Bahnbrechendes Meisterwerk."
Voralberger Nachrichten, 17. März 2018

"Während anderen die Vergangenheit gar nicht nah genug kommen kann, betont Stollberg-Rillinger die Fremdheit des 18. Jahrhunderts. Mit dem allererhellendsten Ergebnis."
Tilman Spreckelsen, FAZ , 29. November 2017

"Es ist ein ebenso kluges, wie gescheites, wie vergnüglich zu lesendes Werk."
Denis Scheck, SWR, 18. Mai 2017

"Die Ungerührtheit, mit der Stollberg-Rilinger von der Weiblichkeit der Kaiserin spricht, lässt ein kritisches Bild entstehen, das faszinierender ist, als es das rührende Porträt von Frau und Mutter je hätte sein können."
Hannelore Schlaffer, Die WELT, 13. Mai 2017

"Ein grandioses Porträt, das von der ersten bis zur letzten Seite fesselt."
Gong Buchtipp, 12. Mai 2017

"Ein plastisches und unerhört anschauliches Lebensbild der barocken Herrscherin."
Günter Kaindlstorfer, Deutschlandfunk Andruck, 8. Mai 2017

"Eine Biographie, die weit mehr ist als die Lebensgeschichte einer außergewöhnlichen Frau."
Volker Isfort, Donau-Post, 29. April 2017

"Ihre Biografie ist wahnsinnig gut. Sie ist klug, quellenreich und wunderbar postheroisch."
Tania Martini, Die Tageszeitung, 25. März 2017

"Monumentale Biografie."
Ulinka Rublack, Die ZEIT, 23. März 2017

"Glänzend geschriebene und mehr als tausend Seiten starke Biografie."
Martin Doerry, Der SPIEGEL, 18. März 2017

"So elegant sind viele Pointen des Buches - und so wohlpräpariert (...) Kunstvoll verbinden die fünfzehn Kapitel thematische Exposition und chronologische Erzählung."
Patrick Bahners, Frankfurter Allgemeine Zeitung Literaturbeilage, 18. März 2017

"Ein Meisterwerk."
Norbert Mappes-Niediek, Frankfurter Rundschau, 18. März 2017

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 18.06.2017

Herrscherin, schöne Frau, liebende Mutter

Maria Theresia regierte nicht mit anderen Mitteln als die Männer. Sie versuchte, ihr physisches Geschlecht von ihrer Regentenrolle zu trennen. Aber sie bekam 16 Kinder. Wie wichtig und wie öffentlich diskutiert ihre Körperlichkeit und Fruchtbarkeit waren, gehört zu den vielen lesenswerten Details der Biographie von Barbara Stollberg-Rilinger

Von Wolfgang Schäuble

Als wir 2014 den Beginn des Ersten Weltkrieges vor hundert Jahren erinnerten und dabei das "Nie wieder!" besonders nachdrücklich bekräftigen wollten, belehrte uns der Krieg in der und um die Ukraine, dass der Verlauf der Geschichte unberechenbar bleibt und auch Orte und Regionen wieder prägt, deren Vergangenheit wie Gegenwart wir in Westeuropa bis heute nicht ausreichend kennen. Dann haben wir begonnen, uns einmal etwas näher mit der Geschichte von Europas Südosten und Osten zu beschäftigen, haben etwa "Bloodlands" vom amerikanischen Historiker Timothy Snyder gelesen und vielleicht ein Gefühl dafür entwickelt, dass wir in Westeuropa nicht immer so klug und souverän mit politischen Entwicklungen bei unseren ost- und südosteuropäischen Nachbarn und Partnern umgehen, wie wir es vielleicht könnten, wenn wir besser Bescheid wüssten über die Vorgeschichten mancher Besonderheit.

Wer nun noch mehr gegen diese bis heute im Westen Europas weit verbreitete Ahnungslosigkeit tun will, sollte sich nicht zuletzt die Geschichte des Hauses Habsburg vornehmen, das den südosteuropäischen Raum einst überspannte, und hierzu mit dem neuen Werk über die Kaiserin Maria Theresia (1717-1780) beginnen, verfasst von Barbara Stollberg-Rilinger, Lehrstuhlinhaberin für Geschichte der Frühen Neuzeit an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster.

Wenn nicht alles täuscht, verschwindet die einstige zentraleuropäische, vor- und übernationale Macht des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, des "Alten Reiches", mit den Kaisern - seit dem 15. Jahrhundert - aus dem Hause Habsburg, mehr und mehr im Nebel des Vergessens. Wir sind noch immer geprägt von den Folgen des national orientierten Geschichtsbildes des 19. Jahrhunderts, nach dem der Untergang des Reiches und die Ausbildung der europäischen Nationalstaaten notwendig und richtig waren. Dabei hat es immer wieder Stimmen gegeben, die uns erinnert haben an die möglicherweise weiterhin oder wieder inspirierende Vorläuferschaft des vornationalen und nicht zentralistischen Reichsgebildes, und gerade auch der Habsburger Herrschaftsgebiete inner- und außerhalb des Reiches, für unsere heutige Europäische Union. Länder, Regionen, Religionen, Völker, Sprachen - in Vielfalt geeint und bis heute gerade in diesem südosteuropäischen habsburgischen Raum auch spürbar, für jeden, der die Städte dieses Raumes bereist.

Nun also diese Biographie, die mindestens so sehr ein Buch über die Zeit ist wie eines über die Frau. Über Maria Theresia hat Friedrich II., einer der männlichen Kollegen, die ihr ziemlich rücksichtslos zusetzten, nicht ohne Bewunderung geschrieben: "Einmal haben die Habsburger einen Mann, und dann ist es eine Frau!" Überraschend dabei der Hinweis, dass die beiden Rivalen im Reich einander nie persönlich begegnet sind - wie haben die Zeiten sich geändert, heute unvorstellbar, süffisant beklagter "Gipfelzirkus" hin oder her.

Maria Theresia, die Erbtochter, musste nach dem Tod ihres Vaters lange kämpfen, bis sie ihre juristisch zwar mögliche, politisch aber nur als Ausnahme - als "Staats-Gebrechen" - verstandene weibliche Herrschaft im Europa ihrer Zeit durchgesetzt hatte: Es dauerte mehrere Kriege - in der Anwendung der damals üblichen Mittel der Politik unterschied sie sich nicht von den Männern - und viele Kinder: 16 hatte sie in 19 Jahren im Alter von dann 39 geboren, zur Sicherung der Herrschaft ihres Hauses, die für sie so unsicher begonnen hatte. Die Nachweise, wie wichtig und wie öffentlich diskutiert in ihrer Zeit die Körperlichkeit der Herrscherin, ihre Fruchtbarkeit waren, gehören zu den vielen lesenswerten Passagen des Buches. Diese ungewöhnliche Kombination, die man in ihr sah, Herrscherin, schöne Frau, liebende Mutter - die war dann doch einzigartig und auch wieder ein Herrschaftsvorteil.

Maria Theresia selbst aber - und die Sprache ihrer Zeit - trennte ihr physisches Geschlecht von ihrer Regentenrolle. Sie war "Erzherzog" und zweifacher "König" - es gab keine weiblichen Sprachformen für die Herrschertitel. Sie war "Landesmutter" nur im Sinne des "Landesvaters": ein elterliches Herrschaftsverständnis. Aber die Staatsräson war geschlechtsneutral.

Kompliziert erscheinen aus heutiger Sicht die damaligen Herrschaftsstrukturen: Ihr Mann aus dem Hause Lothringen war als Franz I. Stephan Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation. Sie selbst verzichtete auf die für die Ehefrau eigentlich übliche Krönung zur Kaiserin, auch wenn man ihr so entgegentrat und wir sie bis heute so nennen. Der Kaiser hatte keine eigene Machtbasis; sie als Erzherzogin von Österreich und Königin von Ungarn und Böhmen schon. Dabei lagen die Länder der ungarischen Stephanskrone außerhalb des Heiligen Römischen Reiches, während Böhmen Teil des Reiches war.

Die Rollen wurden entsprechend getrennt, wie Stollberg-Rilinger es beschreibt: "Wenn auswärtige Botschafter ihre feierlichen Antritts- und Abschiedsaudienzen nahmen, empfing sie in der Regel zuerst Franz als Kaiser, dann Maria Theresia als Kaiserin und am Tag darauf noch einmal Maria Theresia, nun in ihrer Eigenschaft als Herrscherin der Erbländer." Ihr Mann war Kaiser und als Ehemann Mitregent der Erbländer, regierte aber nicht; das tat sie allein. Sie regierte wirklich persönlich, unermüdlich, ließ sich bis spät in der Nacht alles vorlegen: Gerichtsurteile, Vorträge, Depeschen, Briefe - und Berichte über die Entwicklung ihrer 16 Kinder.

Das Kapitel über die Erziehung am Hofe, über körperliche Disziplin und Manieren, regelmäßige Frömmigkeitsübungen und das strenge Tagesprogramm, ist eines der eindrücklichsten Kapitel des Buches. Kontrolle war großgeschrieben. Und selbst den erwachsenen Kindern schickte Maria Theresia am Ende noch Aufpasser in deren Ehen hinterher - wie im Fall ihrer Tochter Marie Antoinette sogar an den französischen Hof in Versailles.

Groß dann aber doch die Kluft zwischen größter Kontrolle und Aufmerksamkeit für die geistige, körperliche, charakterliche Entwicklung der Kinder, den Versuchen, auf sie einzuwirken, Tugenden und Fähigkeiten eines Herrschers zu erziehen, womit die Mutter freilich nur aus der Ferne über ständige schriftliche Instruktionen an die zahlreichen Erziehungsbeauftragten beschäftigt war - und dem weitgehenden Scheitern dieser Bemühungen, oder einfach dem Heranziehen ganz normaler Kinder, die den ungeheuren Ansprüchen der Mutter nicht genügen konnten und deren in ihren Augen zahllose Defizite sie erbarmungslos und in größter Ausführlichkeit in ihren Mitteilungen an die Erzieher beschrieb. Strafen - immerhin und doch schrecklich genug - tat man nicht körperlich, sondern zum Beispiel durch das Nichtfeiern von Geburts- und Namenstagen. Kindlicher Eigenwille musste gebrochen und die Kinder durften unter keinen Umständen wie Kinder behandelt werden.

Aber all diese dynastisch-erzieherischen Bemühungen konnten am Ende doch den Niedergang Habsburgs, den Aufstieg Preußens, die Übermacht Napoleons nicht verhindern. Die großen geschichtlichen Linien, die Grundströmungen von Wissenschaft und Technik, die Ideen von Freiheit und Gleichheit waren stärker als Tagespolitik, Machtgebaren und die Persönlichkeit des Einzelnen. In der Folge konnte Maria Theresia insgesamt nicht viel erreichen. Ihre Versuche, alles zu kontrollieren, waren letztlich vergeblich. Die historische Entwicklung ging über sie hinweg. Den Lauf der Geschichte konnte sie nicht nachhaltig beeinflussen.

Erstaunlich nüchtern beurteilt Stollberg-Rilinger auch die inneren Staatsreformen der aufgeklärten Monarchin, die Organisationsreformen zum Zweck einer effektiveren "Herrschaft aus der Ferne", die frühere Historiker so bewundert haben. Sie habe "einen neuen Staat aufgerichtet", hieß es lange - vernünftig, rational, vollendet durchgeplant, kontrolliert. Ganz sicher findet Stollberg-Rilinger dagegen nur zwei Folgen der Reformen: den Anstieg der Staatskosten und den Anstieg der Aktenflut. Man erreicht nicht, was man will, und das dann noch mit unerwünschten Nebenfolgen - eine Mahnung zur Demut in der Politik. Ein lehrreiches Buch, das im Frühjahr den Sachbuch-Preis der Leipziger Buchmesse verdient erhalten hat.

Wolfgang Schäuble, CDU, ist Bundesminister der Finanzen.

Barbara Stollberg-Rilinger, "Maria Theresia - Die Kaiserin in ihrer Zeit. Eine Biographie". Verlag C. H. Beck, 1083 Seiten

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
Bewertungen unserer Kunden
Magna Mater Austriae
von Anonym - 08.01.2018
Autorin und Historikerin Barbara Stollberg-Rilinger macht ihren Lesern zum 300. Geburtstag von Maria Theresia ein besonderes Geschenk: Eine knapp 1.000 Seiten starke Biographie, die penibel recherchiert und umfassend dokumentiert ist. Es bleiben kaum Fragen offen. Die Autorin nimmt sich in 15 Kapiteln der vielschichtigen Persönlichkeit der Herrscherin detailliert an. Das hochwertig gebundene und mit Lesebändchen versehene Buch enthält zahlreiche farbige Abbildungen, eine Landkarte der Habsburgischen Länder zur Zeit Maria Theresiens, eine Ahnentafel sowie viele Anmerkungen, weiterführende Literatur und Quellen. Auch ein Personenregister sowie ein Glossar helfen dem Leser sich in diesem opulenten Werk zurechtzufinden. Obwohl diese Biografie nicht die einzige ist, kann sie als wohltuend und umfassend bezeichnet werden. Ohne zu werten, wird das historische Umfeld, in das Maria Theresia hineingeboren wird, dargestellt. Obwohl die anderen Monarchien der als "Pragmatische Sanktion" bekannten Vereinbarung über eine weibliche Thronfolge nach Karl VI. zustimmen, fallen diese Länder (vor allem Preußen unter Friedrich II.) nach dem Tod Kaiser Karls, wie die Aasgeier über die Habsburgischen Erbländer her. Man glaubt mit der jungen Herrscherin leichtes Spiel zu haben. Trotz der nicht allzu guten Ausbildung schafft es die junge Regentin, ihre Macht auszuspielen. "Die 23jährige zeigte sich vom ersten Tag ihrer Regierung an als die geborene Herrscherin". (Prolog S.XX) Die einzelnen Kapitel umreißen verschiedene Episoden aus dem langen Leben Maria Theresias. In ihrem tief katholischen Religionsverständnis verschreibt sie sich dem Kampf gegen den "protestantischen Irrglauben". Sie siedelt Bewohner aus "infizierten Gegenden" weit weg vom Wiener Hof an. Daher gibt es in einigen Ländern der ehemaligen Donaumonarchie auch heute noch protestantische Enklaven (z.B. Siebenbürgen) Wir erhalten Einblick in das recht komplizierte Hofleben. Gemäß der Auffassung dieser Zeit ist "der fürstliche Körper im Alten Europa ein politischer Gegenstand ersten Ranges". In Wien geht man zwar nicht so weit, wie im absolutistischen Frankreich, wo man dem König bei seinem Stuhlgang beobachten konnte. Ein wenig Privatleben behält sich Maria Theresia vor. Interessant ist jedenfalls ihr Verständnis zu ihren Titeln und Ländereien. So lässt sich zum König (und nicht zur Königin) von Ungarn bzw. Böhmen krönen, weil dort keine weibliche Thronfolge vorgesehen ist. Sie ist eine unermüdliche Arbeiterin mit einem überaus vollen Stundenplan. Die hohen Ansprüche, die sie an sich selbst stellt, verlangt sie auch von den anderen. Ihre (Liebes)Heirat mit Franz Stephan von Lothringen stellt in der damaligen Zeit, in der Ehen ausschließlich nach dynastischen Überlegungen geschlossen wurden, eine einsame Ausnahme dar. Ihre Kinder verheiratet sie nach nützlichen und Gewinn bringenden Aspekten, ohne Rücksicht auf deren Gefühle zu nehmen (Kap. IX "Kapital der Dynastie)). Maria Theresia gilt als große Reformerin. Mit der Einführung der Schulpflicht für alle Kinder macht sie sich nicht überall beliebt, denn die Kinder sind als Arbeitskräfte oft unentbehrlich. Die langen Sommerferien (9 Wochen), die es in Österreich nach wie vor gibt, sind ein Erbe dieser Verordnung. Die verschiedenen Verwaltungsreformen, die Maria Theresia einführt, bestehen in einigen Grundzügen im österreichischen Staat heute noch: z.B. die Kameralistik und/oder die "Maria Theresianische Kanzleiordnung". Mit diesen Verwaltungsreformen gelingt es ihr aus dem "heruntergekommenen Riesenreich" einen modernen Staat zu machen. Zwar bleiben die Reformen hinter jenen Friedrich II. von Preußen zurück, doch dessen Reich ist um einiges kleiner und beheimatet weniger unterschiedliche Völker. Maria Theresia reformiert das Hofleben. So erhalten die Beamten erstmals eine echte Besoldung und sind nicht auf "persönliche Gunst" und "Gnadengaben" nach Gutdünken bzw. auf ihre eigenen Güter angewiesen. (Kap. XIII "Die Unterthanen") Auch die später "josephinisch" genannte Landesaufnahem geht auf ihre Initiative zurück. Die Herrscherin musste einfach wissen, wie viele wehrfähige Männer ihr zur Verfügung stehen. Erstmals werden in der ganzen Monarchie die Häuser erfasst. Jedes Gebäude erhält eine "Konskriptionsnummer". Ihr Hofmathematiker Johann Jakob Marinoni wird großen Anteil an der Vermessung haben. Wenn Österreich im Jahre 2017 das 200-jährige Bestehen des Katasters feiert, so ist auch dies auf Maria Theresia zurückzuführen. Nach dem Tod Franz Stephans wird Joseph II. Mitregent, was naturgemäß für ein hohes Konfliktpotential sorgt (Kapitel X). Ein großes Augenmerk wird auf Maria Theresia als Mutter gelegt. Sie wird ihre Kinder bis zu ihrem Tod 1780 mit guten Ratschlägen und oft harscher Kritik nerven. Sie ist ein echtes Kontrollfreak. Die zahlreichen Darstellungen Maria Theresiens im Kreise ihrer Familie sind gutgemeinte Illusionen, denn weder ist die Zeit, noch die Herrscherin selbst "gemütlich". In ihren letzten Lebensjahren kam Maria Theresia sich selbst vor wie ein Relikt aus einem anderen Jahrhundert. Was ihr keine Freude, sondern Widerwillen bereitete. (Kap. XIV "Der Herbst der Matriarchin"). Im kurzen Epilog wird das lange Leben und Wirken Maria Theresias an Hand von wichtigen Eckdaten nochmals zusammengefasst. »Außergewöhnlich war im 18. Jahrhundert weniger, dass eine Frau Herrschaft ausübte, außergewöhnlich war vielmehr, dass ein Monarch, ob Mann oder Frau, das Geschäft des Regierens als persönliche Aufgabe derart ernst nahm.« Meine Meinung: Diese Biographie ist ausgezeichnet geschrieben und räumt mit so manchem Mythos oder Unwahrheit auf. Wir können in ein langes, ereignisreiches Leben Einblick nehmen, ohne voyeuristisch zu sein. Als Österreicherin und Beamtin sind mir die meisten Themen bekannt. Doch auch ich durfte ein paar Neuigkeiten oder Vertiefungen kennen lernen. Die Autorin hat die komplexen Zusammenhänge anschaulich und umfassend dargestellt, sodass kaum eine Frage offen bleibt. Dabei lässt ihr angenehmer Schreibstil diese gewichtige Biographie gut lesen. Aufgelockert ist das Werk durch eine großartige Auswahl an Zitaten. In dem einen oder anderen habe ich den Eindruck, dass sich Maria Theresia über sich selbst lustig macht. Einige Themen wie "die Vereinbarkeit des Berufs und der Familie" und die Rolle der Frau in der Politik sind aktueller denn je. Fazit: Eine sehr gute Biographie von Maria Theresia, die man unbedingt lesen muss.
Eine solide, toll geschriebene Biographie von Maria Theresia zu ihrem 300sten.
von Wedma - 21.03.2017
Die Biographie von Maria Theresia aus der Feder von Barbara Stollberg-Rillinger habe ich sehr gerne gelesen und empfehle sie auch gerne weiter. Der Inhalt hält, was der Klappentext verspricht, und liefert noch viel mehr, als man eigentlich erwartet. Es gibt spannende Einsichten, was damalige Zeit, diese Art zu regieren, unzählige Intrigen, nicht nur beim Wiener Hof, politisches Kalkül, uvm. anbelangt. Und natürlich erfährt man viel über Maria Theresia, ihre Familie, ihre Verbündete und Feinde. Rund 883 Seiten reinen Textes, Prolog und Epilog inkl., sind auf 15 Kapitel verteilt. Im Buch gibt es 82 Abbildungen, 30 in Farbe in 4 Blöcken i. d. Mitte, eine Karte d. habsburgischen Länder 1740-1780, 3 Stammtafeln, sowie Anmerkungen auf 133 S., Quellen und Literatur 56 S., Personenregister 14 S. und Glossar 3 S. am Ende dieses opulenten Werkes. Inhaltsverzeichnis sowie kurze Leseprobe findet man auf der Internetseite des Verlages. Auch wer bereits Biographien (Bios) über Maria Theresia (M.T.) gelesen hat, findet bestimmt noch viele lesenswerte Dinge, die er/sie nicht kennt und/oder ganz anders präsentiert bekommen hat. Denn gerade in dieser Bio kommt es stark auf den Blickwinkel, auf die gewählte Perspektive und auch auf das Wie des Erzählens an. Gleich im Prolog gibt es Überblick und die Abgrenzung zu den vorher herrschenden Darstellungen und Stereotypen von M.T. Schön scharfsinnig. Gleich zu Anfang wurde geschildert, in welche Verhältnisse M.T. eingeboren wurde: die politische Lage, unter welchen Umständen sie als Nachfolgeherrscherin infrage käme, etc. Auch was ihren zukünftigen Gatten anbetraf, heiratspolitisch und anderswie, wurde kurz und griffig vermittelt. Man sah später, dass diese Dinge für weitere Entwicklungen, politisch wie familiär, bestimmend waren. Die Auswahl an Themen ist sehr gut getroffen, untereinander sind sie auch gut ausgewogen. Es gibt einige Kapitel, die sich schwerpunktmäßig mit der Innenpolitik, sowie mit Krieg und Frieden befassen. Aufschlussreiche Analysen der damaligen politischen Verhältnisse und daraus folgender Schritte in der Außenpolitik nehmen den Leser gefangen. Hier kommt der ewige Feind aus Preußen Friedrich II nicht zu kurz. Es gibt aber auch Kapitel, die M.T.s Verständnis von Körperlichkeit, Sexualität und ihre Geburten beschreiben. Alles in allem erlaubt diese Themenwahl dem Leser ein detailliertes, wesentliche Lebensbereiche umfassendes Bild von M.T., ihrer Familie und ihrer Zeit zu bekommen. Es gibt einige Szenen, z.B. M.T.s pompöser Verlobung, ihrer Hochzeit, oder auch ihrer Rede vorm ungarischen Landtag 1741 etc., in denen das Geschehen einem lebendig vor Augen abläuft. Auch viele Zitate aus M.T.s Korrespondenz lassen sie oft zu Wort kommen und ihre Art zu denken, ihr Wesen offenbaren. Sehr angetan war ich von der Tatsache, dass jedes Mal, wenn auch nur ein leisester Wunsch nach Quellenangaben spürbar wurde, waren sie auch da. Diese Biographie liefert ein differenziertes Bild von M.T. Die Herrscherin wurde weder hochgejubelt, ihr Verhalten schöngeredet noch wurde eine andere Extreme bedient. Man erhält eine solide, mit Quellen belegte Schilderung Maria Theresias, sowie der damaligen Ereignisse, ihrer Haltung und ihrer Rolle im politischen und familiären Geschehen. Oft genug musste sie das eine gut und richtig finden und das Gegenteil davon tun, wie z.B. bei der Teilung Polens 1772. Auch dem problematischen Verhältnis zu ihrem Sohn Joseph, dem Co-Kaiser, ist ein extra Kapitel gewidmet (Kap. X). Die Probleme der beiden und wie sie auf die Politik abstrahlten, wurden dem Leser klar vor Augen geführt. Einzelne Unterkapitel im Kap. XIV schildern mit Kurzportraits andere Kinder. Es gibt spannende Analysen sowohl bei den Söhnen als auch bei den Töchtern, insb. die Vergleiche fand ich treffend und aufschlussreich. Ein kurzer Epilog fasst das Wesentliche zusammen, nennt die Eckpunkte M.T.s Regierung und ihre Besonderheiten, weist auch auf die Veralterung der Maßstäbe und Machtwerkzeuge hin, deren sich M.T. bediente. Zum Schluss merkte auch M.T. selbst, dass sich die Welt stark verändert hatte und sie nicht Willens/Könnens war, sich ihr anzupassen. Diese Bio ist gekonnt geschrieben und weist eine bemerkenswerte Kombination aus hohem Niveau und Zugänglichkeit auf. Sie las sich so gut, manchmal wie ein guter historischer Roman mit all den Adels- und Königsdynastien, ihren Verflechtungen und Intrigen, selbst innerhalb eigener Familie gab es genug davon, dass ich gleich in die Geschehnisse abtauchen konnte und keine einzige Seite darin vermissen wollte. Mit manchem Mythos wurde aufgeräumt, manches Unwahres, was im Umlauf ist, klargestellt. Mehrmals habe ich darüber die Zeit vergessen. Es hat einfach Spaß gemacht, diese Bio zu lesen, nicht nur auf informativer Ebene. Es ist die Sicht der Dinge, diese Art über die Geschehnisse zu reden, sie zu bewerten und sie dem Leser zu präsentieren, die diese Bio u.a. so lesenswert machen. Solche hohe Qualität entsteht zweifelsohne als Resultat des enormen Wissens und der lang geübten Fertigkeit, auch komplexe Zusammenhänge klar und verständlich, in einer aussagestarken Sprache darzulegen. Fazit: Eine sehr gute, solide Biographie von Maria Theresia zu ihrem 300sten. Toll geschrieben, unterhält sie und regt zum Nachdenken an, z.B. über die Rolle der Frau in der Politik und in der Familie, die Vereinbarkeit des Berufs und der Familie und noch viele andere Dinge, die auch heute sehr aktuell sind. Absolut lesenswert. Das Buch ist sehr schön gestaltet: Fester Einband, Umschlagblatt, Lesebändchen, hochwertiges Papier. Perfekt als Geschenk.
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