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Stalin

Der Herr des Terrors. mit 14 Abbildungen. Klappenbroschur.
Buch (kartoniert)
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Stalin war der Herr des Terrors, ein Zyniker der Macht, der Millionen in den Tod schickte. Bis heute scheiden sich an seinem Erbe die Geister. Helmut Altrichter, einer der führenden deutschen Experten für die Geschichte der Sowjetunion zieht in diese … weiterlesen
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Produktdetails

Titel: Stalin
Autor/en: Helmut Altrichter

ISBN: 3406719821
EAN: 9783406719820
Der Herr des Terrors.
mit 14 Abbildungen.
Klappenbroschur.
Beck C. H.

17. Mai 2018 - kartoniert - 352 Seiten

Beschreibung

Stalin war der Herr des Terrors, ein Zyniker der Macht, der Millionen in den Tod schickte. Bis heute scheiden sich an seinem Erbe die Geister. Helmut Altrichter, einer der führenden deutschen Experten für die Geschichte der Sowjetunion zieht in diesem Buch die Bilanz seiner jahrzehntelangen Forschungen und erzählt das Leben eines der größten Verbrecher der Weltgeschichte.
Ein großer "Theoretiker" (wie Lenin) oder ein mitreißender "Volkstribun" (wie Trotzki) wurde Stalin nie; er war eher einer aus der zweiten oder dritten Reihe. Sein Aufstieg begann im Chaos der Russischen Revolution. Jetzt waren "Praktiker" gefragt, die wussten, wie man die Macht mit Gewalt und Terror behauptet. Als Organisator der Partei verstand er es, sich als engster Mitarbeiter Lenins zu inszenieren und sich nach dessen Tod gegen seine Konkurrenten zu behaupten. Alles geschah im Namen des "Sozialismus", aber ein "demütiger Gläubiger" war Stalin nicht. Ihm ging es um die Macht.
Seine forcierte Industrialisierung, die Zwangskollektivierung und die brutalen Säuberungswellen kosteten Millionen das Leben und stürzten das Land in ein blutiges Chaos. Hunderttausende wurden verhaftet, erschossen und in den Gulag verbracht. Wie es der Sowjetunion gelang, trotzdem den Zweiten Weltkrieg zu überstehen und Stalin es schaffte, sich im sowjetischen kollektiven
Gedächtnis als "Generalissimus und Weltenlenker" zu etablieren - auch davon erzählt dieses Buch.

Portrait

Helmut Altrichter ist Prof. em. Für Neuere und Neueste Geschichte mit dem Schwerpunkt der Geschichte Osteuropas an der Friedrich-Alexander Universität Erlangen-Nürnberg. Bei C.H.Beck ist von ihm lieferbar: Kleine Geschichte der Sowjetunion (2013) sowie Russland 1989 (2009).

Pressestimmen

"Wunderbar nüchterne Stalin-Biografie."
Der Standard, Ronald Pohl

"Auf den 331 reinen Textseiten seiner handlichen Biografie steht alles, was zu wissen notwendig ist."
Bernhard Schulz, Der Tagesspiegel, 27. Juni 2018

"Facettenreich und trotzdem kompakt (...) Altrichter versteht es, die wichtigsten Irrtümer aufzugreifen, ohne gegen sie zu polemisieren."
Sabine Adler, Deutschlandfunk, 4. Juni 2018

Rezensionen

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung vom 20.06.2018

Auch ein Meister des Terrors braucht die Netzwerke der Mitmacher
Monströser Gewaltherrscher auf dem Boden des Leninismus: Helmut Altrichter legt eine neue Stalin-Biographie vor

Seit 2015 erscheint die vom Münchener Institut für Zeitgeschichte herausgegebene Reihe "Diktatoren des 20. Jahrhunderts". Hans Wollers Biographie Benito Mussolinis machte den Auftakt, gefolgt von der über Robert Mugabe aus der Feder des Essener Historikers Christoph Marx. Sieben weitere Bände sollen folgen, quer durch Kontinente und Ideologien. Dictatorship sells. Aus aktuellem Anlass raten wir als Nächstes zu einer Reihe "Große Demokraten des 20. Jahrhunderts". Das nur mal vorweg.

Nun also Stalin, zweifelsohne einer der übelsten Schlächter und Menschenschinder der Geschichte überhaupt. An Biographien über ihn herrscht kein Mangel. Unweigerlich stellt sich die Frage: Bedarf es noch einer weiteren? Unbekanntes Terrain wie bei Christoph Marx wird hier nicht erschlossen. Bliebe der Ansatz von Hans Woller, mit Hilfe der Biographie Legenden zu dekonstruieren und quellengestützte Neuinterpretationen zu wagen. Zuletzt erschien 2015 ein "Stalin" von Oleg Chlewnjuk, einem der intimsten Kenner der Quellen: eine in origineller Montagetechnik komponierte Biographie des Sowjettyrannen, die einer nur chronologischen Nacherzählung von Leben und Politik entgeht.

Der Erlanger Emeritus für osteuropäische Geschichte Helmut Altrichter macht dagegen genau das, und zwar mit aller dem Fachmann zur Verfügung stehenden Gründlichkeit. Seine Lebensbeschreibung Stalins ist ein Durchgang durch die sowjetische Geschichte in neun Kapiteln nebst einem kurzen Ausblick über Stalins Tod hinaus sowie drei vorgeschalteten Abschnitten zur Herkunft, Sozialisation und Karriere als Revolutionär. Alle wichtigen Etappen vom prügelnden Vater bis zur skurrilen Todesszene sind in diesem Buch enthalten, und wer meint, Stalin sei die Verkörperung der sowjetischen Geschichte, wird in dieser Haltung bestärkt.

Dabei legt Altrichter in seinem "Annäherung" genannten Einstiegskapitel eine interessante Fährte. Vieles an Stalin ist Fake: getilgte biographische Ereignisse, geschönter revolutionärer Lebenslauf, sogar das offizielle Geburtsdatum. Der Leser denkt, hier werde der "Führer" der Sowjetvölker dekonstruiert und entmystifiziert. Altrichter aber verlässt diese Spur. Mit dem Kapitel über den Bürgerkrieg 1918 bis 1921 beginnt Stalin auf dem Thron der Geschichte Platz zu nehmen, und er röchelt erst im März 1953 wieder herunter.

Das ist alles artig beschrieben. Der Leser mag das als wohltuend empfinden, weil jede Dämonisierung fehl am Platze wäre, aber es hat seinen Preis. Die Geschichte schnurrt ab, und Stalin werkelt in ihr. Die Stalin-Biographie ist eine kurze Geschichte der Sowjetunion mit ihren grauenvollen (wirtschafts-)politischen Fehlentscheidungen, blutigen Machtkonflikten, der unaufhörlichen Gewalt und verlustreichen Erfolgen, unter denen der Triumph im Zweiten Weltkrieg hervorsticht.

Stalin ist der "Herr des Terrors", so der Untertitel des Buches. Altrichter beschreibt ihn als den siegreichen Fraktionskämpfer auf dem Boden des Leninismus und Alleinherrscher. Auch die imperiale Expansion und außenpolitische Entscheidungen sind auf der chronologischen Perlenschnur aufgezogen. Bekannt ist, dass Stalin keine Verfassungsordnung zu zerschlagen brauchte, um seine Tyrannei einzurichten; er kam aus der Partei, auf dem Posten des Generalsekretärs zog er die Strippen.

Diese Geschichte ist alles andere als glatt, aber sie ist linear erzählt und von einer narrativ vermittelten Unausweichlichkeit. Netzwerke, die vielen "kleinen Stalins", die Mitmach-Gesellschaft und der Enthusiasmus ganzer sozialer Gruppen kommen nur gelegentlich vor. Obwohl Altrichter die Monstrosität der Gewalt benennt und an einer Stelle vom Beklatschen eines Menschheitsverbrechens durch stalinistische Erbauer spricht, bleibt der Mechanismus der Macht weitgehend unerklärt.

Neue Quellen, Thesen, neue Sichtweisen sucht man in diesem Buch vergeblich. Fragen, die der Biograph selbst stellt, hätten die Geschichte und ihre Hauptfigur brechen können, aber die Antworten fließen im Strom der Ereignisse dahin. War Stalin ein Psychopath? "Schwer zu widerlegen". Immer schon oder seit wann? Reicht Psychopathologie als Erklärung aus für Karriere, Taten und Regime? Keine Antwort. Die These, der Georgier Stalin habe die vermeintliche kaukasische Gewaltkultur zur Handlungsmaxime auf gesamtstaatlicher Ebene erhoben, ist dem Autor nicht einmal eine Erwähnung wert, aber er hätte sie argumentierend zurückweisen können.

Hat Stalin mit der Hungersnot 1932/33 mit insgesamt fünf bis sieben Millionen Toten den Genozid an den Ukrainern (Holodomor) beabsichtigt? "Zweifel bleiben." Der Widerspruch dagegen, für den es gute Gründe gibt, wird nicht durchdiskutiert, obwohl die heutige ukrainische nationale Geschichtsschreibung den angeblichen Genozid legitimatorisch ausschlachtet.

"War Stalin ein Antisemit?" Schließlich hatte er sich schon sehr früh antisemitisch geäußert, Juden waren die letzten Opfer seiner Terrormaschine. Wir erfahren es nicht. Mittlerweile liegen genügend Quellen über den staatlichen Antisemitismus in der Sowjetunion vor. Die Antwort muss lauten: Der "Herr des Terrors" war auch der Herr des Antisemitismus. Nicht nur die Ermordung von Juden, nicht nur ihre Diskriminierung, auch die Negierung der Judenvernichtung hätte die Antwort nahegelegt. Immerhin nennt Altrichter den Geheimbefehl Nr. 00447 vom Sommer 1937 "singulär", jenen selten anzutreffenden Fall von schriftlichem Vernichtungsbefehl, der Erschießungen und Lagerhaft nach regionalen Quoten befahl. Singulär, "aber auch typisch".

Diese Biographie ist solide, steht nicht unter Originalitätsverdacht und hat ihre Raison d'être in der Diktatoren-Reihe, in der sie erscheint und in welcher Stalin nicht fehlen darf. Mit Christoph Marx' Worten über Robert Mugabe lässt sich auch Stalin charakterisieren: schon ziemlich früh ein "Gewaltfanatiker ohne Empathie und Einsicht".

STEFAN PLAGGENBORG

Helmut Altrichter: "Stalin". Der Herr des Terrors.

Verlag C. H. Beck, München 2018. 352 S., Abb., br.

© Alle Rechte vorbehalten. Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt.
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Stalin - Der Herr des Terrors
von Sikal - 01.07.2018
Treffender kann man diesen mächtigen Diktator wohl kaum bezeichnen. Diese Biographie ist der dritte Band aus der Reihe "Diktatoren des 20. Jahrhunderts" des Münchner Instituts für Zeitgeschichte, erschienen im Verlag C.H. Beck. Der Historiker Helmut Altrichter ist ein Experte für die Geschichte Osteuropas. Aus einer Fülle an mittlerweile zugänglichen Materialien hat er hier eine aussagekräftige, aufschlussreiche Biographie geschrieben, die ich sehr gerne gelesen habe. Geboren als Iossif Wissarionowitsch Dschugaschwili (1878) in Georgien als Sohn eines Schusters, wuchs er in ärmlichen Verhältnissen auf - der Vater gewaltbereit und Alkoholiker, die Mutter förderte den kleinen Iossif (genannt Soso) in jeglicher Weise, schickte ihn auch in eine kirchliche Schule, um dort Russisch zu lernen und Priester zu werden. Soso war anfangs sehr ehrgeizig, doch es zeichnete sich bereits in jungen Jahren seine nicht vorhandene Empathie-Fähigkeit ab. Von seinen Freunden ließ er sich Koba nennen, ein Sozialrebell des 1883 erschienenen historischen Romans (Der Vatermord) - dies wurde für die kommenden Jahre sein bevorzugter Name. Mehrfach wurde er verhaftet, auch nach Sibirien verbannt, von wo er immer wieder fliehen konnte. In der Zwischenzeit begann sich die politische Lage in Russland zu verändern, die Machtverhältnisse wurden neu geformt, das Zarenreich endete und Stalin (wie er sich mittlerweile nannte) gehörte mit Trotzki und Swerdlow zum engeren Kreis Lenins. Mehrere Male änderte Lenin seine Ziele, bei denen ihm Stalin immer bedingungslos folgte. "Während Lenin manchen Parteigenossen, die mit hochfliegenden Plänen oder idealistischen Bedenken zu ihm kamen, beschied, man sei "nicht mehr im Smolny", was so viel hieß wie "wir sind nicht mehr in der Opposition" ., musste er Stalin nie belehren: Der war Realist durch und durch und nie ein Fundamentalist mit unaufgebbaren Glaubenssätzen und Überzeugungen gewesen, sondern immer "offen" für Fragen der Machtsicherung und des Machtausbaus." Altrichter beschreibt deutlich wie sich die Macht Stalins entwickelte, wie er "Schuldige" ohne mit der Wimper zu zucken an den Pranger stellte oder "entfernen" ließ, wie er 1922 auf Vorschlag Lenins zum Generalsekretär ernannt wurde. Letztendlich konnte sich Stalin nach Lenins Tod auch als dessen Nachfolger durchsetzen. Altrichter weist immer wieder auf die Brillanz der politischen Mitstreiter hin und doch sticht Stalins Zielstrebigkeit (oder vielleicht eher Skrupellosigkeit) immer wieder hervor. Man liest welches Grauen für die Menschen an der Tagesordnung stand. Stalin setzte sich durch - ohne Rücksicht auf Verluste. Durch Zwangskollektivierung und Hungersnot wurden Millionen getötet, das Land versank im Chaos. Z.B. wurde eine Ausreise aus den Hungergebieten generell verboten, sodass die Menschen keine Möglichkeit zum Überleben hatten. Doch auch dem privaten Stalin widmet Altrichter seinen Raum. Seinen vielen Frauen und Kindern schenkte er wenig Aufmerksamkeit, war gleichgültig, oft abwesend. Als seine Frau Nadeschda Suizid verübte, fühlte er sich dadurch gekränkt, verletzt, verstümmelt Anfangs hochgelobt - immerhin zählte Russland unter seiner Führung zu den Siegern des 2. Weltkrieges - wurde nach seinem Tod die Sache kritischer gesehen, auch sein Leichnam aus dem Leninmausoleum wieder entfernt. Alles in allem war er ein Mann, der Macht benutzte, um andere in Angst und Schrecken zu versetzen, seine Wünsche und Ziele durchsetzte und viel Leid über die Menschen brachte. Sogar seine engsten Mitarbeiter wurden immer wieder gegeneinander ausgespielt, wussten um der Gefahr in seiner Nähe. Makabres Detail: Als er im Sterben lag, traute sich niemand in sein Zimmer, um nachzusehen und einem Arzt Bescheid zu geben. Altrichter schreibt mitreißend und spannend, obwohl man vieles natürlich bereits aus dem Geschichtsunterricht kennt, ist diese Biographie interessant zu lesen. Ich werde mir auch noch die weiteren Bände dieser Reihe besorgen. Für diese Biographie vergebe ich gerne fünf Sterne.
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