Die Geschichte wird getragen von ganz außergewöhnlichen Charakteren, mit Eigenschaften, die wohl in uns allen schlummern ...
... Eigentlich gar nicht so schwer, da wir alle Geschichten lieben, ja, irgendwie von ihnen abhängig sind, besonders denjenigen, die einen guten Ausgang nehmen. Und hier gibt es gleich zwei von ihnen und beide enden so wie es sein soll ... Die eine findet im Jetzt statt, die andere wird ermöglicht durch einen Ausrutscher im Schnee. Die beiden Protagonisten (Ehepaar) kommen mit ihrem Auto auf einer verschneiten (und gesperrten) Passstraße von selbiger ab und bleiben in der Folge im Schnee stecken. Alles halb so schlimm, könnte man meinen, da der Jaunpass, der das freiburgische Greyerzerland mit dem Simmental im Berner Oberland verbindet, ganzjährig fahrbereit gehalten wird. Man muss halt nur die Nacht überstehen, bis dann irgendwann der Schneepflug kommt ...Da außerdem der Ehemann ein begnadeter Geschichtenerzähler ist, dürfte es auch in dieser Hinsicht nur eine Frage der Zeit sein, bis Rettung naht. Allerdings sind beide etwas niggelig unterwegs. Und so ergibt sich im weiteren Verlauf nicht nur eine höchst amüsant zu lesende Dialogabfolge, die man kaum als Streit bezeichnen kann, sondern auch eine (erzählte) Liebesgeschichte, die, obwohl von mancherlei Hürden verbaut, doch so leichtfüßig daherkommt, dass man geneigt ist, sich einfach mal so hineinfallen zu lassen. Ohne große Anstrengung, ohne den Wunsch, das Größeres passiert.Obwohl doch so einiges in dieser anrührig erzählten Geschichte passiert. Neben der Französischen Revolution 1789 und der ersten Ballonfahrt durch die Brüder Montgolfier (etwas früher, 1783), bricht, ebenfalls 1783, ein Vulkan in Island aus, der nicht nur in Europa, sondern auf der gesamten nördlichen Halbkugel Missernten und damit einhergehende Hungersnöte zur Folge hat - und hier eine "aktuelle" Zuschreibung erhält: "Nie hatte sich auf Erden, seit die Menschheit in Ostafrika aus einer Affenart hervorgegangen war, ein schlimmerer Fall von Luftverschmutzung ereignet." Doch in erster Linie ist es eine Liebesgeschichte zwischen einem sprachlich ungeübten Kuhhirten und einer Bauerstocher, die allerdings von ihrem Vater für eine bessere Partie vorgesehen ist. Es kommt, wie es kommen muss. Die "Berührungen" arten etwas aus, der Hirt flieht zum Militär, was der Verbindung aber keinen Abbruch tut. Schließlich landet er (und etwas später auch seine Marie) im Versailler Schloss, um dort "Schweizer Kühe" ihrer Bestimmung entsprechend zu versorgen. So ganz nebenbei bekommt man einen launig vermittelten Einblick in das Schlossleben zur Zeit Ludwig XVI.: "Der erste Eindruck, den Jakob vom Schloss hat, ist der eines überwältigenden Gestanks; ein unfassbar scharfer, stechender unerträglicher beißender Ammoniakgeruch, ein Brodem der Verwesung, Moder, Schweinestall und Menschenlatrine - Schloss Versailles stinkt aufs Land hinaus wie ein gigantisches Scheißhaus. Das liegt daran, dass es ein gigantisches Scheißhaus ist. Für die fünftausend Bewohner des Schlosses gibt es nur vier spülbare Klosetts, von denen zwei seit Jahrzehnten außer Betrieb sind und ein drittes für die königliche Familie reserviert ist [...]." Das mag zu Einstimmung und für einen ersten Eindruck reichen.Eine Geschichte wie ein laues Sommerlüftchen - und genauso sollte man sie genießen.(.9.7.2024)