Als Erstes muss man sagen, dass die Einleitung ziemlich heftig ist. Es werden Vorfälle aus realen Hinrichtungen geschildert, die verstörend sind. Bei dieser Thematik ist es verständlich, dass man kein Blatt vor den Mund nehmen will. Das Buch wurde geschrieben, um zu verdeutlichen, wie schrecklich die Todesstrafe ist. Trotzdem ist die Einleitung nichts für schwache Nerven.Das Buch selbst hingegen lässt sich gut lesen und nimmt einen mit auf die emotionale Achterbahnfahrt, die jemand durchmacht, der von seiner Verurteilung erfährt. Dabei zeigt Hugo immer wieder, wie Menschen ihre Menschlichkeit verlieren: als Schaulustige beim Prozess, beim Transport ins Gefängnis, beim Transport von Gefangenen in eine Art Arbeitslager oder beim Transport des Verurteilten zur Hinrichtungsstätte. Besonders verstörend ist, wie schon Kinder oder junge Frauen sich daran beteiligen und ohne Mitgefühl zuschauen oder sich sogar daran ergötzen. Gerade dadurch wirkt das Buch sehr eindringlich - am menschlichsten von allen erscheint uns der Verurteilte.Es wird auch gezeigt, welche Bedeutung das Urteil für Angehörige hat, die selbst keine Schuld trifft und es wird gezeigt, wie unterschiedlich groß die Schuld verschiedener Verurteilter immer noch ist. Mehr als das Todesurteil ist eben nicht möglich - jemand der einmalig etwas verbrochen hat wird somit auf dieselbe Weise bestraft, wie ein gewohnheitsmäßiger Verbrecher.Auch wird infrage gestellt, wie jemand zum Täter wurde - ob und inwieweit dies selbstverschuldet ist. All diese Fragen werden aber nicht als trockener Essay abgearbeitet, sondern in eine Geschichte eingewoben.Ein wichtiges Werk, das heute in Europa zum Glück größtenteils seinen Zweck erfüllt hat - leider aber weltweit weiterhin aktuell ist!