Hat die zugegebenermaßen hohen Erwartungen leider nicht erfüllen können
Das Buch der israelisch-österreichischen Schriftstellerin erschien im Jahr 2021. Die Ich-Erzählerin Elisabeth "Lizzie" Dorn wird von Yigal Dobrinsky bzw. Yigal Ben Dror an sein Sterbebett gerufen. Obwohl sie ihn lange nicht gesehen hat, soll sie die letzte Person sein, die ihn vor seinem Tod besucht. Anschließend erzählt Lizzie abwechselnd von den Erinnerungen, die sie aus vergangener Zeit an ihre Beziehung zu Yigal hat und davon, wie sie die Zeit unmittelbar nach dem Besuch verbracht hat.Der Roman schafft es zwar, die schwierige Situation vieler israelischer Menschen zwischen Solidarität mit dem eigenen Volk und Ablehnung des überaus nationalistischen Weltbildes, das große Teile der Regierung verbreiten, zu beschreiben, bleibt aber dabei für meinen Geschmack oft zu sehr im Vagen. Wie verhält man sich angemessen und richtig, wenn man sieht welche Grausamkeiten, welche Menschenrechtsverstöße und welche Völkerrechtsbrüche die israelische Regierung begeht? Wenn man in seine Überlegungen miteinbeziehen muss, weil es die Eltern, Freunde, Nachbarn betrifft, was andere dem eigenen Volk an unvorstellbaren Grausamkeiten angetan haben.Dennoch hätte ich mir mehr Aufklärung darüber gewünscht, wie aus Yigal Ben Dror, dem sich und sein Land für unbesiegbar haltenden jungen Soldaten der fundamentale Kriegsgegner geworden ist. Das wird nicht erklärt, sondern einfach als Ergebnis seiner Gefangenschaft präsentiert.Und auch darüber, was bei dem Besuch Lizzies bei Yigal genau passiert ist, was dort gesprochen wurde. So aber besteht der Roman im Grunde aus einer Aufzählung der Begegnungen zwischen Lizzie und Yigal im Laufe ihres Lebens. Ich hatte schon ein bisschen mehr Tiefgang erwartet. Zwei Sterne.