Es gibt Bücher, bei denen ich mich schwer tue, eine Bewertung abzugeben. Dieses gehört dazu.Denn wie könnte ich mir anmaßen, das Leben, die Gedanken, Sorgen und Probleme einer anderen Person zu beurteilen?Der Großteil des Buches besteht aus Gesprächen zwischen der Autorin und ihrer Therapeutin, schlicht und direkt als Dialog geschrieben. Ergänzt werden diese durch kleinere Essays, in denen Baek Sehee bestimmte Themen und Bereiche ihres Lebens selbst reflektiert.Als Selbsthilfebuch würde ich es nicht einordnen, eher irgendwo zwischen Sachbuch und Biografie.Die im Buch behandelten Probleme sind sehr individuell und nicht jede*r Leser*in wird sich gleichermaßen damit identifizieren können. Manche Momente haben mich unmittelbar erreicht, andere waren mir eher fremd. Dennoch dürfte jede Person, die mit psychischen Erkrankungen vertraut ist, eine gewisse Nähe zur Thematik spüren. Wer das nicht aus eigener Erfahrung kennt, bekommt immerhin einen offenen, rohen und sehr ehrlichen Einblick in das Leben einer Person, die mit chronischer Depression kämpft.Die Autorin wirkt dabei bemerkenswert reflektiert. Immer wieder merkt man, dass sie vor allem Einordnung braucht. Und manchmal einfach die Bestätigung, dass es in Ordnung ist, so zu fühlen und zu denken, wie sie es eben tut, und dass es sie nicht zu einem schlechteren Menschen macht. Genau das kann das Buch auch den Lesenden vermitteln; das Gefühl, mit bestimmten Gedanken nicht allein zu sein.Es gibt keinen klassischen roten Faden, aber das liegt in der Natur der Sache, denn wir folgen hier nicht dem gesamten Leben der Autorin, sondern ausgewählten Therapiegesprächen. Wir sehen dennoch, welche Themen sie beschäftigen, wo sie Fortschritte macht und wie sie Stück für Stück mehr über sich selbst lernt. Dafür, wie offen Baek Sehee mit ihren Problemen und vermeintlichen Schwächen umgeht, verdient sie meinen größten Respekt. Das ist mutig und so wichtig für die Entstigmatisierung psychischer Erkrankungen.Trotz allem hat mir an einigen Stellen etwas Tiefe gefehlt.Ironischerweise bleibt das Buch, obwohl wir Therapiegesprächen lauschen, eher an der Oberfläche. Die besprochenen Probleme sind sehr individuell, und ein einzelner Gesprächsauszug reicht mir persönlich nicht aus, um sie wirklich zu durchdringen.Mit der Therapeutin bin ich leider auch nicht ganz warm geworden. Sie wirkte an vielen Stellen eher passiv, weniger wie jemand, der aktiv begleitet, sondern eher wie jemand, der zuhört und gelegentlich kommentiert. Manchmal fühlten sich ihre Antworten in meinen Augen sogar unsensibel an. Etwa, wenn sie Baeks Ängste eher bestätigt statt sie einzuordnen.Das mag durchaus der Realität einiger Therapieverläufe entsprechen und, da wir nicht jeden Teil der Therapie begleiten, sogar genau der richtige Ansatz in diesem Fall sein. Dennoch hat es mir als Leserin den Zugang zu den Gesprächen manchmal erschwert und dazu beigetragen, dass ich die erhoffte Tiefe vermisst habe.Dass innerhalb der Gespräche kaum Fortschritt sichtbar ist, könnte jedoch ein bewusst gewähltes Stilmittel sein. Die Autorin reflektiert ja am Ende selbst noch einmal, wie schwer Heilung ist und wie oft man das Gefühl hat, auf der Stelle zu treten. Falls das ein Stilmittel war, erschloss es sich mir allerdings nicht unmittelbar.Diese Kritik fällt mir nicht leicht, denn ich kann und will von niemandem verlangen, noch mehr vom eigenen Leben preiszugeben. Dennoch hat die fehlende Tiefe für mich den Effekt des Buches etwas abgeschwächt.