Geschichten wie eine sommerliche Brise, aber bei weitem nicht so vergänglich ...
Geschichten wie eine sommerliche Brise, aber bei weitem nicht so vergänglich. Es sind genau sechsundzwanzig Geschichten, einige nur ein paar Sätze lang, andere haben das Zeug zu einem Roman. Es sind Einladungen an den Leser, sich, zusammen mit dem Autor, auf eine Reise zu begeben, eine Reise, in der die Erlebnisse des Autors die Reiseroute bestimmen, ergänzt durch dessen Erläuterungen zu wissenswerten Hintergründen einiger Destinationen. Vom Sprachstil eingefangen, überlässt man sich gerne den Gedanken des Autors, wird dazu angeregt eigene Erfahrungen einzubringen, manche Gedanken weiterzudenken. Und das Schöne daran ist, dass es offenbar so einfach ist, sich den tatsächlichen oder wichtigen oder elementaren Dingen des Lebens anzuvertrauen. Ohne den ganzen Aufwand, sich in narzisstischer Selbstüberhöhung das Leben untertan zu machen, nur um ein wenig größer, ein wenig wichtiger zu erscheinen, ein wenig unsterblicher ...Es tauchen Fragen auf, die einen ganzen Strom von Gedanken in Bewegung bringen, beispielsweise die Erfahrungen des Autors und sich daraus ergebende Folgerungen: "Das Internat ging mich nichts an, die Frühmessen, die seltsamen Worte des Paters im harten Morgenlicht: ¿Nehmet und esset alle davon: Das ist mein Leib ... nehmet und trinket alles daraus: Das ist mein Blut ...' Was ist das für eine Welt, in der sich Menschen von ihren Göttern ernähren?"Alle Geschichten offenbaren ein Art Weltsicht, Lebensweisheit oder eine Art sich den Herausforderungen des Lebens offen zu nähern. Und es gibt ein Finale, das es in sich hat, das die Emotionen anfacht, das Leben zum Leuchten bringt: "Die Einsamkeit der Frau auf dem Wagen [Giacometti und seine fragile Figur ¿Die Frau auf dem Wagen'] ist nicht pathetisch, das Leid keine Attitüde. Natürlich, unser Leben ist absurd, weil der Tod es beendet. Wir müssen scheitern, es geht nicht anders. Aber es gibt noch die andere Wahrheit, die Wahrheit der Frau auf dem Wagen: Jetzt, dieser Moment, dieser Nachmittag, der nächste Morgen, der Blütenschimmer im Frühling, der Wind, der durch die Felder geht, die lautlose Schwüle im Hochsommer und das nasse Laub auf den Straßen im Herbst - das alles bedeutet nichts ohne den anderen Menschen. Wir stehen nackt in dieser Welt, die Erde ist ein kaum sichtbarer blassblauer Punkt im All, die Natur ist kalt und feindlich. Aber wir sind Menschen, wir teilen diese Einsamkeit, sie ist es, die uns verbindet."(8.7.2023)