Eine wunderschöne, hoffnungsvolle und zugleich tieftraurige Erzählung.
Die Erzählung über Juni, ihre Mutter Lilla sowie Großmutter Tekla liest sich auf dem Klappentext recht leicht, dennoch anspruchsvoll, vielversprechend und mit Tiefgang. Wie sehr mich diese Geschichte, die zwar fiktiv, aber von wahren Begebenheiten und Menschen inspiriert ist, in ihren Bann ziehen würde, hatte ich dennoch nicht erwartet. "Du liest sowas doch auch!" - mit diesen Worten überreichte mir ein Familienmitglied "Als Großmutter im Regen tanzte" von Trude Teige. Als ich dann einige Wochen nach Erhalt das Lesen begann, hat mich die Geschichte, die auf zwei groben Zeitebenen spielt, welche mehrere Jahrzehnte umspannen, komplett eingenommen. Trude Teige erzählt in wunderschöner, klarer und leicht verständlicher Sprache die Lebensgeschichten von drei Frauen, die aufs Engste miteinander verbunden sind: Aus einer zarten Liebesgeschichte der ältesten Frau, Tekla, entwickelt sich ein kaum zu ertragendes Drama, das gegen Ende des zweiten Weltkrieges seinen Anfang nimmt. Das beschriebene Leid, aber auch die Momente der Hoffnung, Zuversicht und des Weitermachens sind getragen von stark gezeichneten Charakteren und Szenen, die schlicht und einfach schildern, was passiert. Trude Teige dramatisiert nicht, sie inszeniert nicht, sie nimmt aber auch grausamen Momenten nicht ihre Abscheulichkeit. Das Buch ging mir auch deshalb so unter die Haut, weil ich selbst Angehörige aus dieser Generation hatte, die ebenfalls kaum oder gar nicht über das Geschehene sprachen und damit offenbar kaum erträgliches Leid für sich handhabbar machten. Inwiefern sich das bis heute auf uns, unsere Charaktere, unsere Werte und Entscheidungen auswirkt, dürfte erheblich sein - und dennoch wird kaum darüber gesprochen. Ich war an einigen Stellen fassungslos, was sich Menschen gegenseitig antun können, wenn sie zuvor nur schlimm genug selbst verletzt wurden oder sich an einem Punkt sehen, keine andere Wahl zu haben. Und noch viel beklommener macht mich, dass sich etliche der beschriebenen Begebenheiten heute wiederholen oder wir drauf und dran sind, dies zu tun. Einen Roman wie diesen kann und sollte man nicht "einfach so" lesen. Das Buch und die beschriebene Geschichte wiegen schwer, machen nachdenklich und zugleich hoffnungsvoll. Ich bin dankbar, gegen Ende eines Jahres so ein kraftvolles und tiefgründiges Buch empfohlen und überlassen bekommen zu haben. Es wird sicher noch eine ganze Weile in mir nachwirken.