Melody, ein schöner Name einer wunderschönen Frau. Die Romanfigur Melody, der Mittelpunkt des Romans, ist einerseits sympathisch, fleißig und ehrgeizig, äußerst keusch (da vermeintlich? sehr religiös), schüchtern und auf subtile Art kokett aber gleichzeitig unzugänglich, ja, gar fast unerreichbar. Auch für Dr. Stotz, seinerzeit auch kein Unschuldslamm wohlbemerkt, der die junge Melody liebt und vergöttert. Doch das ist alles, schien mir, irreführend, denn Melody ist schlichtweg eine raffinierte Trophy Wife. Eine gewiefte Frau, die sich in scheinheilige Unschuld und blütenzarte Verletzlichkeit hüllt, die die unendliche Gunst eines älteren, verliebten Mannes auszunutzen weiß. Sozialer Status, Glamour, Reisen, teure Kleider und Taschen usw., alles ist dabei. Und es wird noch heikler: Die schöne, ach so liebenswürdige Melody treibt es noch weiter. Sie erpresst Dr. Stotz bis zu seinem Tod. Ein grober Fehltritt seinerseits verschafft ihr die Möglichkeit dazu. Doch all das wird von Martin Suter meisterhaft verdreht und unter dem Mantel von nebulösem Wahn und illustrer Fantasie eines alten Mannes dargeboten. Genial. Am Ende empfand ich für die Figur Melody nur noch aufrichtige Abscheu.
Bewertung: 4,5 Sterne