Wunderbar melancholisch
Punktgenau am Silvestertag bin ich eingetaucht in die tiefe See der Geschichte von Cleo und Frank aka Cleopatra und Frankenstein, denn auch deren erste Begegnung findet an einem Silvesterabend statt. Mitten in New York. Diese Stadt will mich einfach nicht loslassen - oder bin ich es, die nicht loslassen kann?Doch in dieser Geschichte, die sich über rund zwei Jahre Erzählzeit erstreckt, ist es ein dreckiges New York, eine verdorbene Stadt voller Schmutz und Verdorbenheit. Und genau in dieser erbärmlichen Kulisse finden sich zwei Menschen, die eigentlich alles trennt vom Age gap bis zum Platz im Leben, aber:"Wenn deine dunkle Seite auf meine dunkle Seite trifft, entsteht Licht."Doch tut es das wirklich? Denn Cleo hat nie gelernt zu leben, nie gelernt glücklich zu sein, sie selbst zu sein, und ist umgeben von Menschen, die ein Kostüm anstelle einer ehrlichen Haut tragen. Es sind Getriebene in diesem Roman; der Freundeskreis um Cleo und Frank hat hungrige, leere Herzen, ist von feinen Rissen durchzogen. Beim Lesen gerate ich in einen Sog aus Melancholie, der auch mich in die Tiefe ohne Halt ziehen möchte. Die Traurigkeit wirkt durch alle Zeilen: Gebrochene Charaktere, Selbstzerstörung, Demontage.Da ist es ein Licht in der Dunkelheit, wenn Frank jemanden findet, zu dem er schlicht sagen kann: "Du bist ein guter Mensch", und wenn Cleo die Kunst zu ihrer Drqg€ erhebt. Vielleicht ist gerade die Schönheit im Hässlichen das Geheimnis, wie als Cleo und Frank aus der stinkenden U-Bahn hinaufsteigen ins Grand Central Terminal und von der smaragdgrünen Sternenkuppel empfangen werden.Für mich ein melancholisches Leseerlebnis zum Jahresbeginn mit einem starken Ensemble verlorener, zerrissener Charaktere.