Eine spoilerfreie Rezension bei einem Folgeband zu verfassen, fällt mir hier besonders schwer. Trotzdem werde ich es versuchen und mich bewusst vage halten.Für den deutschen Buchmarkt werden gerne lange Romane in zwei Bände gepresst. Dasselbe ist auch bei Samantha Shannons High Fantasy Schmökern rund um den Baum passiert. Da das Original auch nicht ohne der ersten Hälfte lebt, kann ich auch diesen Band nicht völlig losgelöst vom (deutschen) Vorgänger sehen."Dumai, die geheime Erbin des Throns von Seiiki, ist nun eine Drachenreiterin. Sie fliegt mit ihrem Drachen Furtia durch das Reich, um das Volk vor der Bedrohung durch die finsteren Wyrm zu warnen. Aber niemand schenkt ihr Gehör. Zur gleichen Zeit bereitet Prinzessin Glorian von Ynis ihr Volk auf den Kampf gegen die bösen Drachen vor und muss sich außerdem ihrer menschlichen Feinde erwehren. Denn nicht alle, denen sie ihr Vertrauen schenkt, haben dies auch verdient. Zwei Reiche, ein Feind. Noch gibt es Hoffnung für die Menschen - doch wie lange noch?"Manchmal findet man in Rezensionen Vergleiche zu Game of Thrones und ich verstehe woher sie rühren. Auch dieses Buch ist sehr umfassend und nimmt sich viel Zeit dafür, eine Beziehung zu den verschiedenen Protagonist*innen auf verschiedenen Kontinenten aufzubauen. Eine weitere Ähnlichkeit sehe ich darin, dass das Lesetempo mäßig schnell ist, da es einfach eine Weile dauert bis die einzelnen Stränge weiter erzählt werden.Doch hier enden auch schon die Ähnlichkeiten. Was mir sehr gefällt, sind die beinahe nebensächlich feministischen Themen. Frauen spielen hier eine große Rolle. Und dürfen je nach "Kultur" eine unterschiedliche Rolle einnehmen. Nur eine Sache muss ganz naturgemäß bei den Frauen bleiben: Die Schwangerschaften und Geburten sowie deren Risiken für Leib und Leben. Ich empfand es als sehr wohltuend wie realistisch die entsprechenden Szenen geschildert wurden und wie wenig sie verharmlost wurden. Doch bleiben wir bei den Charakteren: Neben mehreren weiblichen Charakteren spielt auch (mindestens) ein Mann eine sehr zentrale Rolle, der ebenso glaubhaft und lebendig ausgearbeitet wurde wie die anderen. Und hier liegt eine große Stärke: die Charakterzeichnung und (glaubhafte) Liebenswürdigkeit einiger.Man kann anhand des bisherigen Lobs schon erahnen, dass jetzt ein Aber folgen muss. Und ja, das tut es: Wer sich so viel Zeit für die Charakterentwicklung nimmt, kann es kaum schaffen, die Handlungsstränge zügig voran zu peitschen. Und so wird das Buch dem ein oder anderen letztlich zu langatmig sein. Wer den Nachfolger kennt, sozusagen den großen Hauptband, "Der Orden des geheimen Baumes", weiß zudem, dass das Finale hier noch kein "echtes" sein kann. Und dafür konnte die Autorin die Spannung dennoch sehr hoch halten.Für mich war "Die Drachenreiterin" nicht das stärkste Buch von Shannon, aber trotzdem sehr kurzweilig und spannend. Ich habe es gerne gelesen und am Ende kommt es genau darauf an.