Amelie Nothombs erster Roman nach ihrem prämierten Buch "Der belgische Konsul" (die fiktiven Memoiren ihres Vaters, verflochten mit der Geschichte der belgischen Kronkolonie Kongo) ist eine Erzählung über zwei Schwestern, die unter ungewöhnlichen Umständen aufwachsen und einander über all Fährnisse und Schwierigkeiten hinweg die Treue halten.Das klingt jetzt erstmal dramatisch und zugleich beschaulich, ist aber letztlich weder das eine noch das andere. Zwar gibt es Handlungselemente, die dramatisch sein sollen, sie überzeugen aber in ihrer Dramatik nicht wirklich, obwohl die übergreifende Geschichte und die Figuren durchaus überzeugen können; die Themen sind alles andere als beschaulich, bekommen aber durch die Kernharmonie zwischen den Schwestern letztlich fast immer etwas Nebensächliches, sodass alles ein bisschen beschaulich wirkt, ohne es zu sein.Anders gesagt: Es könnte ein gutes Buch sein. Es hilft auch nicht, dass Nothomb sich in vielen Momenten in Details versteigt, die entweder bereits Bekanntes unnötig unterstreichen oder relevante Elemente der Handlung in unglaubwürdigen Dimensionen heben. So muss ich konstatieren, dass trotz einiger sehr origineller und durchaus auch genialer Momente dies einer der schlechteren Nothombs ist. Ich rate eher den Konsul zu lesen oder das großartige Buch "Die Passion". Vermutlich kommt bald eh wieder ein neuer Nothomb in Übersetzung. Er wird ziemlich sicher besser sein.