Koreanischer Fantasy, bei dem man eine gewisse Geduld mitbringen muss
Ich bin mit enorm hohen Erwartungen an den ersten Band von ¿Die Legende vom Tränenvogel' herangegangen, da die Messlatte nach dem Vergleich zu ¿Der Herr der Ringe'extrem hoch lag. Nach dem Lesen des ersten Bandes muss ich sagen: Der Vergleich hinkt ein wenig, was vor allem an der Erzählweise liegt - dennoch hat mich das Buch auf seine ganz eigene Art fasziniert. Der Schreibstil ist typisch für viele koreanische Romane und für westliche Leser anfangs gewöhnungsbedürftig. Wer hier epische, actiongeladene Schlachten im Minutentakt erwartet, wird enttäuscht. Es herrscht wenig klassische Spannung; stattdessen dominiert eine gewisse ¿Komme ich heute nicht, komme ich morgen'-Mentalität. Die Geschichte nimmt sich spürbar viel Zeit, wodurch sich das Lesen streckenweise recht zäh gestaltet. Wer jedoch die Geduld aufbringt, wird mit einem sehr interessanten Handlungsverlauf und einem faszinierenden Worldbuilding belohnt. Ein besonderes Highlight waren für mich die verschiedenen Charaktere und deren Eigenarten. Vor allem Kaygon hat es mir angetan. Er ist eine tiefgründige Figur, die sichtlich mit den Schatten seiner eigenen Vergangenheit zu kämpfen hat. Auch die Dynamiken und die internen Konflikte - insbesondere im Haus der Naga - sind hervorragend ausgearbeitet und bringen eine gewisse Tiefe in die Geschichte. Ein kleiner Kritikpunkt bleibt für mich die Struktur des Buches. Der Roman ist in fünf große Teile unterteilt, die jedoch komplett durchgängig geschrieben sind. Die Szenenwechsel zwischen den unterschiedlichen Orten und Charakteren werden lediglich durch eine Leerzeile signalisiert. Hier wären klassische Kapitel für den Lesefluss definitiv einfacher und angenehmer gewesen.