Stellenweise etwas langatmig, ansonsten sehr berührend!
In diesem Roman erzählt die Autorin von Livia, die schneller als der Wind rennen kann und an einer Augenkrankheit leidet, die nach und nach zum Verlust des Sehvermögens führt. Von ihrer Krankheit erfährt sie in einem Alter, an dem sie eigentlich nur so sein möchte wie alle anderen. Sie will weiterhin Sportwettkämpfe gewinnen, auf Partys gehen und gesehen werden. Eine Belastung, die ihren Alltag grundlegend verändert. Livia fühlt sich isoliert und fremd in ihrem eigenen Körper..Der Roman verbindet die Gegenwart mit Rückblicken auf Livias früheres Leben, ihre Beziehungen und ihre Vorstellungen von Zukunft. Besonders die Beziehung zu Alberto verdeutlicht, wie sehr Nähe, Liebe und Selbstbild durch Krankheit und Verletzlichkeit beeinflusst werden. In der titelgebenden ¿Nacht der Schildkröten¿ verdichten sich Livias innere Konflikte und markieren einen Wendepunkt ihres Umgangs mit der eigenen Situation.Der Roman thematisiert Krankheit, körperlichen Verlust, Wahrnehmung und Identität und beschreibt den langsamen, schmerzhaften Prozess der Selbstakzeptanz..Der Roman ¿Die Nacht der Schildkröten¿ hat mich insgesamt berührt, auch wenn er stellenweise Längen aufweist. Besonders in den ruhigeren Passagen schweiften meine Gedanken gelegentlich ab und der Erzählfluss wurde dadurch natürlich immer wieder etwas gebremst.Dennoch überzeugt das Buch durch seine sensible und einfühlsame Darstellung von Livias innerem Erleben. Greta Olivo schildert glaubwürdig, wie die Protagonistin nach und nach ihr bisheriges Leben, ihre Selbstverständlichkeit und ihre Zukunftsvorstellungen verliert. Gerade diese schleichende Form des Verlusts wird eindrucksvoll vermittelt und macht die Geschichte emotional nachvollziehbar.Insgesamt ist ¿Die Nacht der Schildkröten¿ eine ruhige, nachdenkliche und berührende Geschichte, die trotz erzählerischer Schwächen einen bleibenden Eindruck hinterlässt.