
Ein mysteriöses Familiengeheimnis
In Heidis Haus in dem kleinen Ort am Meer geschehen seltsame Dinge. Unter dem Fußboden findet die Familie einen alten Kinderschuh. Nacht für Nacht wütet ein schlimmer Sturm, und Heidi hört jemanden neben ihrem Bett umherschleichen. Das einzig richtig Gute in diesem Sommer ist das Riesenrad, das in den Ort gekommen ist. Bill, der freundliche Besitzer, zieht bei Heidis Familie ins Gästezimmer ein. Aber Heidi wird immer klarer, dass etwas nicht stimmt. Ihre schwangere Stiefmama wird immer müder. Und ihre Oma scheint riesige Angst vor etwas zu haben. Zusammen mit ihren beiden Freunden Alva und Harry findet Heidi heraus, dass in ihrem Haus vor langer Zeit etwas Schreckliches passiert ist. Etwas, das sich bald wiederholen könnte. . .
Gänsehaut in Hovenäset 1. Flammenrad: Band 1 der Kinderbuchreihe von Erfolgsautorin Kristina Ohlsson
Kristina Ohlsson ist eine der erfolgreichsten schwedischen Thriller-Autor*innen. Ihre August-Strindberg-Krimis haben sich millionenfach verkauft. In ihrer Kinderbuchreihe "Gänsehaut in Hovenäset" erzählt sie spannende Krimi-Geschichten für junge Leser*innen ab 11 Jahren.
Besprechung vom 26.01.2026
Nicht einmal auf das Riesenrad ist Verlass
Grusel mit Meerblick: Kristina Ohlssons schwedischer Kinder-Thriller "Flammenrad"
Weiße Holzhäuser direkt am Meer, ein Campingplatz mit Badestelle, eingerahmt von grauen Felsklippen: Die zwölf Jahre alte Heidi lebt mitten in der schwedischen Idylle im Küstenstädtchen Hovenäset. Doch friedlich geht es in diesem Thriller für Kinder in keiner Weise zu. "Flammenrad" ist der Auftakt einer Trilogie der schwedischen Autorin Kristina Ohlsson, die mit ihren Spannungsbüchern für Erwachsene, von denen einige auch in Hovenäset spielen, internationale Erfolge feierte. Für Kinder schrieb sie bereits die Reihe "Glaskinder". Nun spukt es in Hovenäset also auch für junge Leser.
Zu Beginn des Romans freuen sich Heidi und ihre Freunde Alva und Harry auf eine neue Attraktion: Ein Riesenrad kommt in die Stadt, es steht mitten auf dem Campingplatz, und die drei können es kaum erwarten, die ersten Runden zu drehen. Der nette Betreiber Bill, der bei Heidis Familie zur Untermiete wohnt, schenkt ihnen sogar Freikarten. Irritierend ist dabei die Warnung, die Heidis Oma unvermittelt ausspricht: Das Riesenrad und Bill müssten weg, sie könnten Hovenäset gefährlich werden. Ebenso irritierend ist ein Fund, den Heidi in ihrem kürzlich renovierten Zimmer macht: ein alter Babyschuh mit einer Kinderrassel. Gemeinsam mit Alva und Harry begibt sich Heidi auf Spurensuche.
Dabei bereitet ihr die eigene familiäre Situation schon genügend Kopfzerbrechen. Ihre Mutter, der Hovenäset mit seinen 200 Einwohnern schon immer zu klein war, ist nach Deutschland gezogen. Nun lebt Heidi mit ihrem Vater und seiner neuen Partnerin Jennifer, die obendrein hochschwanger ist, in einem renovierungsbedürftigen Haus, das langsam zu teuer für die Familie wird. Zugleich wird Heidis Oma immer vergesslicher, lange wird sie nicht mehr allein wohnen können.
Was Ohlsson ihrer Protagonistin aufbürdet, ist beträchtlich. Die Einschränkung der Großmutter und die finanzielle Situation lösen Ereignisse aus, die die Geschichte vorantreiben. Dabei kommt auch die Recherche voran, ein Puzzlestein führt zum nächsten, Stück für Stück eröffnen sich Heidi die Geheimnisse rund um das Riesenrad. Und doch hätte es der Geschichte sicher nicht geschadet, die Protagonistin an ein paar Fronten weniger kämpfen zu lassen.
Heidi ist neugierig und mutig, sie handelt angesichts aller Herausforderungen ihrem Alter entsprechend. Wenn ihr Vater sie mal wieder nicht ernst nimmt, ärgert sich Heidi, und wenn ihre Mutter sich nach einer Ewigkeit bei ihr meldet, drückt sie den Anruf aus Trotz weg. Dabei macht Heidi zugleich eine Entwicklung durch: Während sie am Anfang des Romans noch bedauert, lange nichts mehr mit dem Vater allein gemacht zu haben, wächst in ihr langsam der Beschützerinstinkt fürs Geschwisterkind heran. Was auch mit der Geschichte zu tun hat, der sie auf die Spur kommt.
Dass Ohlsson Thriller-Autorin ist, zeigt sich vor allem an der Atmosphäre, die sie kreiert. Nachts gewittert es immerzu, im alten Holzhaus knarren die Dielen. Unübersehbar bedient sie sich dabei recht einfacher Mittel aus der Horrorfiktion, der Spannung tut das jedoch keinen Abbruch. Einmal hört Heidi im Nebenzimmer ein Geräusch, ein anderes Mal erhellt der Blitz das Zimmer, oder sie hört die Stiefmutter schreien. Solche Cliffhanger am Ende jedes Kapitels halten den Spannungsbogen durchgängig aufrecht.
So ist "Flammenrad" vor allem ein Mystery-Roman, der sich daher auch dem Übernatürlichen nicht verwehrt. Die Autorin hätte am Ende leicht eine rationale Erklärung für die Geschehnisse finden und somit der Angst und dem Aberglauben den Nährboden entziehen können. Doch Ohlsson entscheidet sich dafür, die Schreckmomente nicht aufzulösen, sondern in einem Finale gipfeln zu lassen, das eigentlich keines ist. Ein offenes Ende, das mit der Angst vor dem Übernatürlichen spielt und nur etwas für starke Kindernerven ist. VANESSA FATHO
Kristina Ohlsson: "Gänsehaut in Hovenäset 1: Flammenrad".
Aus dem Schwedischen von Susanne Dahmann. Oetinger Verlag, Hamburg 2025. 256 S., geb., 15,- Euro. Ab 11 J.
Alle Rechte vorbehalten. © Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH, Frankfurt am Main.