Leider Kings schwächster Holly-Roman: Zu viele politische Themen, kaum Spannung und eine blasse Heldin. Unterhaltsam, aber ohne Tiefe.
Als großer Fan von Stephen Kings Figur Holly Gibney hat mich "Kein Zurück" leider etwas enttäuscht zurückgelassen. Die bereits schon siebte Geschichte mit der offenbar sehr beliebten Privatermittlerin ist zwar keine schlechte, kann aber auch zu keinem Zeitpunkt wirklich mitreißen.Wie schon beim Vorgänger "Holly" ist auch hier nur allzu offensichtlich, dass King nah am aktuellen Geschehen sein möchte und die gesellschaftspolitische Situation in den USA daher auch hier wieder eine große Rolle spielt. So dreht sich zum Beispiel ein großer Teil der Handlung um eine kontroverse Frauenrechtlerin, die auf ihrer Tour durch amerikanische Städte den Hass zahlreicher Abtreibungsgegner auf sich zieht.Leider vermischt King diesmal jedoch zu viele verschiedene Ideen in einer Geschichte, von denen aber kaum eine richtig zündet. Alle Erzählstränge sind zwar auf gewisse Weise unterhaltsam, aber keiner davon mitreißend.Vielleicht auch dadurch kommt zudem die Protagonistin zu kurz, und gerade die vielen Eigenheiten und auch Seltsamkeiten, die Holly in den vorherigen Storys zu so großer Beliebtheit verschafft haben, bleiben zu großen Teilen auf der Strecke. Wo die Heldin im Vorgänger mit ihrer etwas zu dick aufgetragenen Corona-Haltung schon fast zu anstrengend war, bleibt sie diesmal weitestgehend farblos und irgendwie "gewöhnlich". Darüber hinaus wird sie von ihrem Schöpfer zur oft tatenlosen Leibwächterin degradiert und nimmt kaum an der ohnehin wenig präsenten Ermittlungsarbeit teil.Auch die anderen Figuren bleiben meist oberflächlich und so plätschert die Handlung in vielen Passagen eher unaufgeregt vor sich hin. Der Kriminalfall ist vorhersehbar und bietet nahezu keine Überraschungen, die Auftritte der Aktivistin sorgen für Wiederholung um Wiederholung, die Storyline um Hollys Freundin Barbara und eine schwarze Soul-Queen wirkt zu gezwungen und der Baseball-Plot um Polizistin Isabelle ist belanglos.Es wirkt fast so, als würde Stephen King sich selbst etwas zu viel Druck machen, möglichst viele politische und gesellschaftliche Themen bedienen zu wollen, leider bleibt dabei aber die emotionale Tiefe und vor allem auch die Spannung auf der Strecke. Schlecht ist "Kein Zurück" wahrlich nicht, aber sicher der bisher schwächste Auftritt von Holly Gibney und ihren Mitstreiter:innen.