Als der neugierige Junge Ariel de la Sauvage in den Wäldern seiner Heimat eine uralte Rettungskapsel im Eis entdeckt, ahnt er noch nicht, dass er damit die Geschicke der ganzen Welt in die Hand nimmt. Denn in der Kapsel schlummern nicht nur die konservierten Überreste der letzten technisierten Menschen, sondern auch eine schlafende KI, die nur begierig darauf wartet, endlich wieder das Licht der Welt zu erblicken. An der Seite von Ariel macht sie sich auf, die Welt, die von der sie einst erschaffen wurde, ganz neu zu entdecken und legt sich dabei auch gleich mit der Geschichte selbst an... Robin Sloan, bekannt für sein eigenwilliges Nahe Zukunft-SciFi-Werk "Die sonderbare Buchhandlung des Mr. Penumbra", kehrt mit diesem Buch mit einem neuen Technik-Abenteuer der besonderen Sorte zurück. Es ist gar nicht mal so einfach, den Inhalt dieses Buches treffend zu beschreiben oder es in eine Genre-Schublade einzuordnen. In erster Linie ist es natürlich Science-Fiction, immerhin ist der Erzähler eine Künstliche Intelligenz, außerdem spielt die Handlung viele Tausend Jahre in der Zukunft. Auf der anderen Seite scheint die Welt, die der Autor uns beschreibt, eher ein schillerndes Fantasy-Wunderland zu sein, gewürzt mit jeder Menge Anspielungen auf Popkultur und Klassiker der Literaturgeschichte, quer durch die Genres. Man darf sich also auf einen äußerst wilden Ritt gefasst machen, wenn man zu diesem Buch greift. Der Chronist, wie sich die KI nennt, erzählt die Geschichte des jungen Ariels und seiner Reise quer durch die neue Welt auf die Art einer mystischen Fantasy-Reise des älteren Jahrgangs, gespickt mit viel Verwirrung und noch mehr Humor. Das Buch kann irrsinnig merkwürdig sein und dementsprechend auch unfassbar lustig, eben einfach total schräg. Abgefahren sind nicht nur die Namen der Protagonisten, auch die ganze Geschichte der Menschheit und der Weltenaufbau. Der Autor zeichnet ein unerwartet optimistisches Bild unserer Zivilisation und verfällt nicht in Bösewicht-Klischees der Science-Fiction, er macht einfach etwas ganz neues und auf schräge Art sehr Optimistisches. Wirklich durchblicken, was in der Handlung vor sich geht, kann man kaum, man kann sich nur vom Strom mitreißen und unterhalten lassen, während die merkwürdigsten, fantasievollsten Dinge geschehen und das Schicksal der Welt seinen Lauf nimmt. Im Verlauf der Handlung ändern sich Ton und Fokus mehrmals, fast so, als wüsste die Geschichte selbst nicht so genau, welcher Aspekt denn nun der wichtigste ist. Eine klare Antwort findet man auf diese Frage auch nicht, vielleicht sollte man sie aber auch gar nicht suchen und sich stattdessen in diesen abgefahrenen Fiebertraum fallen lassen, auch wenn er manchmal über seine eigenen Füße stolpert und in seinem eigenen Chaos verloren geht.Am Schluss wirkt die Auflösung der Geschichte fast etwas plump und schnell serviert, das hätte man gerne etwas ausführlicher machen können, aber das Ende an sich, in all seiner Merkwürdigkeit, passt perfekt zu dieser seltsamen, besonderen Geschichte, in der Fantasy, Technik und Mythologie-Märchen-Heldenabenteuer ineinander verfließen. Man kann sich auf die Suche nach Anspielungen aller Art machen, man kann sich unterhalten lassen und darüber staunen, wie wunderbar abgefahren diese Abstraktion von Geschichten ist. Man erhält hier folglich kein hochtechnisiertes SciFi-Spektakel, sondern ein farben- und hoffnungsfrohes, eskapistisches und äußerst eigensinniges Science-Fantasy-Märchen, das sich selbst nicht zu ernst nimmt. "Die letzte Geschichte der Welt" ist mindestens genauso eigenartig, wie das vorherige Buch des Autors, im positivsten Sinne total schräg, schrill, schillernd und lebendig, lebt von Kuriosität und Optimismus und fängt perfekt ein, was uns Menschen an Geschichten so fasziniert: die ewige Frage: Und, was geschieht als Nächstes?