Brutale Fantasy mit schwarzem Humor, klugen Dialogen und Antihelden, die einem ans Herz wachsen ¿ und es dann brechen. ¿
¿Meine Gedanken & GefühleThe Devils ist mehr als nur Fantasy. Es ist ein kluges, zynisches, bösartiges und gleichzeitig erstaunlich menschliches Buch.Ich schreibe selten über Cover, aber hier muss ich: Es hat mich nicht sofort angesprochen - und genau deshalb fürchte ich, dass es verdammt gut ist. Was auf den ersten Blick wie ein Unterkiefer wirkt, entpuppt sich als Krone, Hörner werden zu Kerzen, und ich bin mir sicher, dass mir noch etliche Symbole entgangen sind. Ein Cover, das nicht schreit, sondern flüstert: Denk nach.Inhaltlich trieft das Buch vor Blut, schwarzem Humor und zynischen Dialogen. Es wird geflucht, gestorben und gelitten - typisch Abercrombie. Und ja: Figuren, die ich mochte, sterben. Natürlich tun sie das. Tragisch. ¿Was ich besonders geliebt habe: das Tempo. Das Buch nimmt sich Zeit. So habe ich Fantasy in den 90ern gelesen. Lange Kämpfe (die man notfalls überfliegen darf), aber auch viele ruhige Szenen danach - Gespräche, Atmosphäre, Nachhall. Ich mag mir Zeit zu nehmen. ¿¿StärkenDie größte Stärke ist für michdie Mischung aus Parodie, klassischer Heldenreise und Thriller. Bis zum Schluss habe ich gerätselt, wer Alex wirklich schaden will - und warum. Manchmal gibt es auch mehrere Gründe. ¿¿¿¿Abercrombie begegnet der allgegenwärtigen Ungerechtigkeit seiner Welt nicht mit Pathos, sondern mit Humor, der oft ins Sarkastische und Zynische kippt. Und genau das passt.Das Worldbuilding ist beeindruckend:Ein alternatives mittelalterliches Europa mit Magie, Religion, Elfen und Menschen. Der Papst ist eine zehnjährige Päpstin, der Erlöser eine Erlöserin, und man streitet sich erbittert darüber, ob das heilige Symbol ein Rad oder ein Kreis ist. Bizarr - und gleichzeitig erschreckend vertraut.Allein der Name der Devils-Einheit: "Kapelle der geheiligten Zweckdienlichkeit" ist Gold wert.¿SchwächenDer Endkampf zieht sich über mehr als 100 Seiten - und ja, das hat mich ermüdet. Inhaltlich sinnvoll, atmosphärisch konsequent, aber anstrengend - selbst das Überfliegen.Außerdem: Wer auf bekannte Abercrombie-Archetypen hofft (Logen Neunfinger, Hundsmann, Glokta), wird enttäuscht. Die Figuren sind neu, anders, eigenständig. Ich mochte sie sehr - aber das erfordert Umdenken.¿Die Charaktere - Abercrombies KönigsdisziplinDie Geschichte wird in der dritten Person erzählt, aber aus wechselnden POVs. Jeder der "Teufel" bekommt Raum, Tiefe und Entwicklung.Alex(ia)- Diebin aus den Gassen Roms, die zur Herrscherin von Troja gemacht werden soll. Überlebenskünstlerin, pragmatisch, clever. Besonders mochte ich ihre leise, fast scheue Liebesgeschichte mit Sunny ¿¿Baptiste- Talentiert, vernetzt, kompetent... aber lange fragte ich mich: Warum ist sie ein "Teufel"? Ihre Entwicklung scheint abgeschlossen. Aber ich hoffe dennoch auf Erklärungen oder Entwicklungen in einem weiteren Band.Vigga, die Wölfin- Keine Kuschelwerwölfin, sondern eine bissige Parodie aus Wikinger-Mythos und Tierinstinkt. Ihr Kampf um Kontrolle war großartig.Bruder Díaz- Ausgerechnet er wird Anführer. Bürokrat statt Kämpfer, Theoretiker statt Praktiker. Seine Entwicklung und sein Umgang mit Glaubensregeln waren ein Highlight.Balthazar- Selbstverliebter, überheblicher Hexenmeister.. äh...Magier, wohl eher Nekromant. Erschreckend realistisch. Sein schleichendes Erwachen jenseits von Macht und Anerkennung war rührend und schmerzhaft.Jakob von Thorn- Unsterblicher Tempelritter. Seine Perspektive auf Schwüre, Werte und Kampf auf dem Hintergrund seiner Unsterblichkeit fand ich außergewöhnlich gelungen.Sunny- Elfe, Feindbild der Menschen, voller Demütigungen - und dennoch die moralisch feinfühligste Figur. Ihre Unsichtbarkeit ist fantastisch ausgearbeitet.Baron Rikard- Alter Vampir, mächtig, rätselhaft. Seine Reflexionen über Unsterblichkeit im Vergleich zu Jakob waren leise, aber stark.Die Beziehungen untereinander - Loyalitäten, Spannungen, angedeutete Romanzen - sind genau richtig dosiert. Mehr hätte dem Buch nicht gutgetan.¿Fazit & EmpfehlungThe Devils ist brutal, klug, zynisch und überraschend tiefgründig.Trotz Blut, Flüchen und Chaos führen die Figuren Gespräche über Politik, Moral und Persönlichkeitsentwicklung, die hängen bleiben.Das Ende kam unerwartet, fühlte sich aber richtig an - für diese Welt und diesen Autor.Keine leichte Lektüre. Aber eine verdammt lohnende. ¿Klare Leseempfehlung für alle, die Fantasy mit Hirn, Herz undsehrschwarzem Humor mögen