¿Was wir letzten Sommer getan haben¿-Thema mit Fokus auf der psychologischen Dynamik der Figuren und des öffentlichen Skandals
Der Sommer vor 10 Jahren war der letzte Sommer in dem die Freundinnen Evangeline, Bess und Joni den ersten gemeinsamen Urlaub alleine in Griechenland im Haus von Evangelines Familie verbringen durften. Die Highschool lag hinter ihnen, das Leben vor ihnen. Die Autorin bringt sehr gut die träge Stimmung und Langeweile des griechischen Landlebens eines heißen Sommers aufs Papier, die Aufbruchstimmung der Mädchen, die zwischen der Vorfreude auf die Möglichkeiten des Lebens und der Unsicherheit pendelt, die Dynamik der Teenie-Mädels aus gutem Hause, die man als überdreht und vor allem auch als toxisch beschreiben kann. Dann passiert das unvorstellbare: Evangeline stürzt nachts nach einer Party von einer Klippe und die beiden anderen geraten in den Fokus der Öffentlichkeit, als über den Fall der verunglückten reichen und "perfekten" Erbin berichtet wird. Tatsächlich einigen sich die beiden Mädchen auch auf eine Aussage, die nicht ganz der Wahrheit entspricht, obwohl doch keine der beiden die Schuld am Tod der Freundin trifft, oder?Die Stärke des Buchs ist die gelungene psychologische Dynamik der frei Freundinnen, die von unausgesprochenen Machtverhältnissen bestimmt wird. Bewunderung, Abhängigkeit und Konkurrenz fügen sich sehr glaubwürdig in die Darstellung ein. Die Erzählerin Bess, deren Leben eine völlig andere Richtung genommen hat, als sie es sich davor wohl hätte träumen lassen, berichtet in Rückblenden von dem verhängnisvollen Sommer und man zweifelt als Leser immer wieder daran, wie ehrlich sie dabei im geschützten Raum ihrer eigenen Erinnerungen zu sich selbst ist.Auch der Nachhall des öffentlichen Skandals, die Vorverurteilung in den öffentlichen und sozialen Medien, die damit verbundene Angst, ständig beobachtet zu werden und die Schuldgefühle, die offensichtlich v.a. Bess nie ganz loslassen, sind gut gelungene Aspekte. Und dann steht Joni nach Jahren plötzlich vor ihrer Tür und droht sie erneut in einen ganz ähnlichen Strudel zu ziehen ....Dabei sollte man keine sehr starke Spannungskurve erwarten.Und das ist insofern schade, weil der "Aha-Moment" oder der Plot-Twist am Ende ausbleibt. Es geht so aus, wie man es schon vermutet hat.Deshalb denke ich, dass der Roman gut für Leser geeignet ist, die an der Figurendynamik und den psychologischen Aspekten interessiert sind, aber weniger für die die einen spannenden Psychothriller lesen wollen.Es gibt deutliche Parallelen zum Skandal des "Engels mit den Eisaugen" (auch wenn dieser Fall sich in Italien zutrug). Das liegt nahe.