
Kaum eine Stadt hat den Dalai Lama häufiger zu Gast gehabt als Wiesbaden, kaum ein Land hat er seit 1982 häufiger besucht als Hessen. In Frankfurt steht eines von weltweit nur drei Tibethäusern. In Beiträgen über und von Menschen, die Tenzin Gyatso in (oder als) Hessen getroffen haben, wird seine Einzigartigkeit und seine besondere Wirkung auf Gesprächspartner geschildert. Ob Politiker, Unternehmer, Schriftstellerin, Künstlerin, Polizist, Chauffeur, Protokollchef, Ministerpräsident, Landtagspräsidentin, Filmemacher, Landrat, Leistungssportlerin, Schauspieler, Fotografen, Wissenschaftler, Hotelier: Alle eint die Faszination, die ein Mensch auf sie ausgeübt hat.
Herausgegeben vom Verein »Freunde für einen Freund e. V. «
Besprechung vom 05.07.2025
Hessens Liebesmüh mit Tibet
Ein Buch über den Dalai Lama
WIESBADEN. Kurz vor dem 90. Geburtstag des Dalai Lamas am Sonntag hat der Verein "Freunde für einen Freund" ein Buch über die vor 40 Jahren geknüpften Bande zwischen Tibet und Hessen herausgebracht. Solche anlässlich von Jubiläen entstandenen Werke werden nicht zu Bestsellern. Dass dieses im Verlag Herder erschienene Buch "Hat die Welt den Dalai Lama und Tibet vergessen?" aber spannender ist, als man es erwartet, liegt zum einen daran, dass die wesentlichen Teile von Stefan Schröder stammen. Abermals demonstriert der Autor exemplarisch, mit welchen journalistischen Qualitäten er sich in Hessen in herausgehobenen journalistischen Positionen über Jahrzehnte hinweg einen großen Namen erschrieben hat.
Er kann aber auch eine spannende Geschichte erzählen. Die engen Beziehungen zwischen Hessen und dem von China unterdrückten Tibet sind beispiellos. Ihren Anfang nahmen sie im Main-Taunus-Kreis. Der Unternehmer Friedhelm Brückner öffnete dem Dalai Lama Türen.
Der ehemalige Ministerpräsident Roland Koch (CDU) war allerdings nur Oppositionsführer im Landtag, als er den Dalai Lama im Jahr 1987 zum ersten Mal traf. Dieser wurde zwar 1989 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, aber nicht nur die Bundesregierung gab damals dem Druck der chinesischen Regierung nach.
Der Frankfurter Magistrat hatte das Oberhaupt der Tibeter eingeladen, anlässlich der 1200-Jahr-Feier der Stadt im Februar 1994 an einem Festakt mit dem Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker und dem französischen Staatspräsidenten François Mitterrand teilzunehmen. Weil das Außenministerium aber mitteilte, dass es deswegen zu massiven Schwierigkeiten mit China kommen könne, legte der Magistrat dem Oberhaupt der Tibeter nahe, seine Teilnahme abzusagen. So geschah es.
Dann begann Koch, dafür zu werben, Tibet parteiübergreifend zu unterstützen. Was er mit vielen anderen Hessen in Bewegung setzte, kann man nun nachlesen. Im Nachwort blickt Koch auf die aktuelle Lage: "Es ist nicht besser geworden." Gerade darum ist das Buch so wichtig. EWALD HETRODT
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