Zwischen Außenseitern, Fantasie und leiser Magie erzählt diese Geschichte von Mut, Zugehörigkeit und der Frage, wo man wirklich zuhause ist.
In Wanda erzählt Annika Scheffel die Geschichte eines Mädchens, das sich der institutionellen Fremdbestimmung entzieht und aktiv nach Zugehörigkeit sucht. Die fast dreizehnjährige Wanda wächst in Heimen und Pflegefamilien auf und erlebt wiederholte Zurückweisungen. Als ihr erneut die Rückkehr ins Heim droht, reißt sie aus und findet mitten in Berlin einen ungewöhnlichen Zufluchtsort. Von dort aus entfaltet sich eine Erzählung, die soziale Realität, poetische Bildsprache und leise Gesellschaftskritik miteinander verbindet.Der Roman arbeitet mit einer stark szenischen Erzählweise und kurzen, prägnanten Sätzen, die Wandas innere Zerrissenheit ebenso widerspiegeln wie ihre wachsende Entschlossenheit. Scheffels Sprache ist reduziert, aber hoch emotional und schafft es, Schmerz, Hoffnung und kindliche Fantasie eng miteinander zu verweben. Wanda begegnet einer Gruppe von Außenseiter:innen, deren individuelle Geschichten von Einsamkeit, Verlust und Sehnsucht geprägt sind. Diese Begegnungen stehen weniger für klassische Problemlösungen als für Solidarität, Gemeinschaft und gegenseitige Stärkung.Besonders hervorzuheben ist die Darstellung Berlins als ambivalenter Raum zwischen Härte und Schutz, Anonymität und Verbundenheit. Der Roman verzichtet auf einfache Antworten und zeichnet stattdessen ein sensibles Bild davon, was es bedeutet, gesehen zu werden und selbst entscheiden zu dürfen, wo man hingehört. Obwohl Wanda formal der Kinder- und Jugendliteratur zuzuordnen ist, entfaltet der Text eine emotionale und gesellschaftliche Tiefe, die auch erwachsene Leser:innen anspricht. Das Buch überzeugt als literarisches Plädoyer für Selbstbestimmung, Empathie und die Kraft von Wahlfamilien.