Familie Holtstein hat nach außen ein gutes und zufriedenes Leben. Mutter Nina arbeitet halbtags in einer Arztpraxis, Vater Alexander ist Oberarzt mit Leib und Seele im Krankenhaus. Tochter Emilia geht aufs Gymnasium und ist gerade das erste Mal verliebt, Sohn Ben studiert und wohnt noch zu Hause. Doch jedes Familienmitglied hat sein eigenes Geheimnis, das es zu hüten gilt. Langsam bahnen sich Risse an, die immer größer werden und die bald nicht mehr jedes Familienmitglied für sich allein kitten kann.
Ich habe bereits "Die Nacht der Bärin" der Autorin gelesen und war restlos begeistert. Auch das neue Buch der Autorin lohnt sich wieder einmal zu lesen.
Die Geschichte der Familie wird aus den vier verschiedenen Perspektiven der Familienmitglieder beschrieben, womit man immer mittendrin im Geschehen ist und die Gedanken und Gefühle perfekt zum Ausdruck kommen. Die kapitelweise abwechselnden Sichtweisen bringen eine sehr gute Dynamik in das Geschehen, die Figuren sind authentisch und realistisch dargestellt. Oft dachte ich beim Lesen, dass ich mit fast jeder Figur irgendwie mitfühlen kann, man fühlt das Unausgesprochene auf jeder Seite und wie jede Figur ihre eigenen Sorgen zu lösen versucht. Dabei verlieren sich die vier immer mehr als Familie aus den Augen und driften weiter auseinander. Die Risse innerhalb der Familie kommen schleichend, wir als Leser sehen sofort, was im Argen liegt, aber nach außen sind sie bis zuletzt die Vorzeigefamilie.
Ab und zu gab es ein paar Längen im Buch, die aber gut zur Geschichte passen, einzig das Ende konnte mich nicht wirklich überzeugen, hier hätte ich mir eine bessere Einbindung in die vorige Geschichte gewünscht, da es für mich sehr abrupt kam.
"Alle glücklich" ist ein intensives, leises Buch, das von seinen authentischen Charakteren lebt und nah an der Realität von vielen Menschen spielt. Es zeigt, wie schnell das Leben aus den Fugen geraten kann. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung!
4,5/5 Sternen