Wien kocht. Wien gart. Wien ist ein Hitzetiegelschmelztopf. Hochsommer. Melanie zerfließt. Vor Hitze, vor Sehnsucht. Gefühle hat sie genug. Eine gute Portion Wut. Auf ihren Ex-Lebenspartner Vincent, der die gemeinsame Tochter Adele mit nach Neuseeland genommen hat. Auf die soziale Ungerechtigkeit. Auf Adele. Manchmal. Auf die Selbstgerechten. Auf die Machos. Auf sich selbst.
Melanie liebt. Sie liebt ihre Tochter über die Weltkugel hinweg und checkt stündlich das Handy nach Nachrichten. Sie liebt ihren Job im feministischen Hotel, der sie über die Runden bringt, sie liebt die Alm ihres Cousins Theo, sie liebt ihre Mutter, die in Spanien lebt und sie liebt es, sie selbst zu sein. Mit vergangenheit. Mit Geschichte. Mit allen Fehlern, die sie gemacht hat. Sie haben sie hier hin gebracht. Hätte sie es vorher gewusst, hätte sie es genauso gemacht.
Die Stadt ist eine Landkarte aus Inseln. Sam und Ines, ihre Herzensfreundinnen. Selina, die Kollegin, der Raff. Die Chefin. Und dann ist da alles, was nicht Stadt ist. Die Alm. Die Tante Renate. Schon wieder die Erinnerung. Denn Melanie ist mehr. Sie fragt nicht laut aber leise.
Mieze Medusa rauscht durch die Sprache, erfindet Worte, malt Bilder, Farben, Hitze, Licht, Gefühle, Musik. Die Figuren haben Humor, Scharfsinn, Tief- und Weitblick, wenn sie die relevanten Fragen wälzen: wer die Welt regiert, wie der Wohlstand verteilt ist, was Stadtplanung antreibt, welche Grenzen digitale Kommunikation hat, und warum Freundschaft und Solidarität die Säulen unseres Daseins sind.
Das ist Wien, das sind fröhliche Klischees, das ist Wiener Schmäh, das ist Kultur und Popkultur, das ist Sprachkultur und Wortgenuss und Großstadtwahn. Rhythmisch, laut, wild und frei.
Ich liebe das Tempo, die Worte, den Text. Mieze Medusa schreibt von unglaublichen Frauen, öffnet die Arme und strotzt nur so vor Empathie. Für alles, was das Leben ausmacht. Seine Widersprüche, seine Schönheit, die Trauer, die Wut, die Liebe, den Mut.