Leiser, kalter Grusel, der unter die Haut geht
Wer weihnachtliche Krimigeschichten mag, wird an diesem Buch große Freude haben. In dem Buch gibt es 16 Kurzgeschichten, die alle in der Weihnachtszeit in Island spielen, irgendwo zwischen behaglicher Idylle und eiskalten Gänsehautmomenten.Die Geschichten sind weniger unterhaltsam im klassischen Sinne, sondern eher düster, gruselig und spannungsgeladen. In jeder Geschichte stirbt jemand, doch die Geschichten werden nicht reißerisch oder detailliert erzählt. Vieles wird nur angedeutet und sorgt damit für eine unterschwellige und beklemmende Atmosphäre. Grenzen werden dennoch immer überschritten.Es gibt verschneite Berghütten, ein mörderisches Geständnis am Heiligabend, einen verängstigten Mann, der an Weihnachten an eine Haustür klingelt und verzweifelt um Einlass bittet. Eine Geschichte handelt von einer jungen Frau, die die Einsamkeit in einer Berghütte genießt, bis ein Vorfall ihre innere Ruhe in Panik verwandelt. Besonders eindrücklich fand ich auch die Geschichte, in der eine Frau in einer Buchhandlung ein Rätsel ihres verstorbenen Mannes lösen lässt. Dabei geht es um das Erraten von Buchtiteln und das Lösungswort zeigt ein dramatisches Geheimnis.Besonders gut gefallen hat mir das isländische Flair. Man spürt beim Lesen förmlich die Kälte, den Schnee und die Stille. Sehr schön fand ich auch die Einblicke in die isländische Weihnachtstradition, etwa das Bücherlesen am Heiligabend oder das Hören der Weihnachtsmette am Radio.Insgesamt ist die Geschichtensammlung eine spannende, leicht zu lesende Lektüre, die mir mit ihren starken Charakteren und viel Atmosphäre ein sanftes Gruseln beschert hat.Ein tolles Buch für lange und kalte Wintertage.