**** Mein Eindruck ****
Historische Krimis besitzen für mich immer eine ganz eigene, beinahe magische Atmosphäre. Für mich ergänzen sich diese beiden Genres perfekt und dieses Buch hat mir das erneut eindrucksvoll bewiesen. Der Schreibstil von Meyrick ist äußerst stimmig. Er ist klar erzählerisch, zugleich aber feinfühlig in der Dialogführung. Die Figuren fühlten sich lebendig an und ich hatte als Leserin das Gefühl, ihnen auf ihren Wegen zu folgen und mitten durch ihre Welt zu gehen.
Die Geschichte nimmt sich Zeit, einfach zu erzählen. Sie ist nicht ausschließlich auf das Ziel fixiert, sondern erlaubt es sich, in Freundschaften, Alltagsmomente und zeitgeschichtliche Entwicklungen einzutauchen, ohne dabei den eigentlichen Kern aus den Augen zu verlieren. Die Mordermittlung empfand ich als angenehm ruhig und dennoch spannend. Das Erzähltempo ist bewusst gewählt und passt hervorragend zur Geschichte. Die weihnachtliche Atmosphäre sorgt für eine behagliche Grundstimmung, ohne dass sich alles ausschließlich um die Jahreszeit dreht.
Täuschen lassen sollte man sich davon allerdings nicht. Die Handlung spielt kurz nach dem Zweiten Weltkrieg, der Kalte Krieg ist bereits in vollem Gange und Entbehrungen sowie Misstrauen prägen weiterhin den Alltag. Genau diese Umstände machen den Fall komplexer, durchzogen von falschen Spielen, verdeckten Motiven und unterschwelliger Spannung. Der Ermittler steht vor zahlreichen Herausforderungen und erweist sich dabei als ausgesprochen sympathischer Protagonist, dem man gern weiter folgt.
**** Empfehlung? ****
Dieser historische Krimi überzeugt durch Atmosphäre, Figurenzeichnung und ein ruhiges, aber wirkungsvolles Spannungsniveau. Wer entschleunigte Ermittlungen mit historischem Tiefgang schätzt, sollte sich dieses Buch nicht entgehen lassen.