Eine berührende Geschichte über die Reise zu sich selbst
Also mal gleich vorweg, es ist ein absolut berührendes Buch. Es hat mich von der ersten Seite an in seinem Bann.Hannah steckt in einer Sinnkrise und hinterfragt gerade ihr Leben. Und so zieht sie sich in die Einsamkeit zurück. Ihr Domizil für die nächsten drei Tage ist ein abgelegenes Holzhaus an einem See. Es beginnt zu schneien und die Welt um sie herum wird zu einer Winterlandschaft. Alles wird still und ruhig und sie hat endlich Zeit , ihren Gedanken Lauf zu lassen. Dann ist da auf einmal Sophie, ein kleines Mädchen. Sie ist wie aus dem Nichts aufgetaucht. Zwischen den Beiden entsteht ein ganz besonderes Verhältnis. Mit ihrer kindlichen Logik bringt Sophie Hannah immer wieder zum Nachdenken und dazu Dinge einfach mal aus einem anderen Blickwinkel zu sehen. Gemeinsam haben sie Spaß im Schnee, gemütliche Momente bei heißem Kakao am Kamin und führen sehr tiefgründige Gespräche. Der Schreibstil ist absolut vereinnahmend und man versinkt in der Geschichte, aber auch im Setting. Ich würde zu gerne auch einmal in einem solchen Holzhaus im Winter ein paar Tage verbringen. Das Buch vermittelt beim Lesen ein warmes, hyggeliges Gefühl. Es hat mich total entschleunigt. Aber es gibt auch Denkanstöße.Hannah konnte ich sehr gut verstehen. Sie möchte so gerne etwas in ihrem Leben ändern, aber die Stimme in ihrem Kopf findet immer wieder Argumente, warum dieses und jenes nicht geht oder funktionieren kann. Sie will raus aus der Tretmühle, dem Stress und der Hektik im Job. Aber sie muss zuerst einen mentalen Zusammenbruch erleiden, um mit der Auszeit einen ersten Schritt zu tun. In diesen drei besonderen Tagen macht sie eine starke Entwicklung durch. Kindheitserinnerungen kommen hoch und sie denkt darüber nach, was sie sich als Kind für ihr Leben gewünscht hat und wer sie sein wollte. Aber auch vergrabene Schuldgefühle bahnen sich ihren Weg.Die kleine Sophie ist irgendwie eine magische Gestalt. So unvermittelt sie auftaucht, so plötzlich ist sie auch wieder verschwunden. Sie schafft es immer wieder, die komplizierten und oft negativen Gedanken von Hannah in eine Richtung zu lenken, die Hannah zu neuen Erkenntnissen bringt. Sie kam mir gar nicht wie ein kleines Mädchen vor, eher wie eine weise alte Frau. Sophie sieht die Welt in bunten Farben. Für sie haben Wochentage, Monate oder auch Zahlen bestimmte Farben. Diese Eigenschaft nennt man übrigens Synästhesie. Es ist eine neurologisch bedingte seltene Eigenschaft. Hannah erinnert sich daran, dass auch sie die Welt so gesehen hat. Aber über die Jahre ist das bei ihr verloren gegangen, bzw. sie hat es verdrängt.Bei mir wurden viele Kindheitserinnerungen geweckt, die ich genau wie die Protagonistin Hannah, irgendwo ganz tief vergraben hatte. Die kleine Sophie hat auch bei mir die richtigen Knöpfe gedrückt, zu reflektieren, was im Leben zählt. So eine kleine Sophie kann man sich eigentlich nur an seiner Seite wünschen.Ich habe ein Wohlfühlbuch gelesen, welches Denkanstöße gibt. Ich empfehle es von Herzen.