Von Mauern, die bröckeln, und Herzen, die aufblühen
Nicht zu fassen, wie ein Buch mit so einem Titel gleich so tief in die Gefühlswelt rauscht! "Tage wie Buchstabensuppe" klingt erstmal nach Wohlfühlkost mit ein paar Nudeln im Suppentopf - in Wahrheit steckt aber ein komplettes Menü fürs Herz dahinter. Da sitzt man als Leser plötzlich in einer bunten WG im Ostallgäu, wird mit schrulligen, liebenswerten Figuren bombardiert und merkt, wie schnell die eigenen Mauern zu bröckeln beginnen. Kayla, die Goldschmiedin mit dem Rucksack voller Vergangenheit, hat mich echt gepackt. Manchmal wollte ich ihr einen Schubs geben, manchmal hätte ich ihr am liebsten nen Kaffee hingestellt und gesagt: "Mädel, es wird schon!"Und dann kommt Josch um die Ecke, charmant und mit einer Engelsgeduld, die man heutzutage echt suchen muss. Ich hab mich köstlich amüsiert, wie er Stück für Stück die Schutzschilde niederreißt. Aber das Sahnehäubchen des Romans ist für mich Lio - diese obdachlose, ältere Frau mit beginnender Alzheimererkrankung. Ihre Lebensweisheit hat mich mehrmals schlucken lassen. Zwischen Chaos, Witz und tiefen Fragen haut sie Sätze raus, die einen direkt ins Herz treffen.Elisabeth Büchle schafft es, das schwere Thema Vergangenheit, Verletzungen und Neubeginn mit einer Leichtigkeit zu verbinden, die weder kitschig noch oberlehrerhaft wirkt. Stattdessen liest sich das wie eine göttlich gewürzte Mischung aus Lebensfreude, Melancholie und Humor. Ich hab so viel gelacht, geseufzt und zwischendurch gedacht: "Ja, genau das ist es - Beziehungen sind das, was zählt."Ein Roman, der zeigt, wie Gott manchmal Menschen in unser Leben schickt, die alles durcheinanderwirbeln - und uns gerade dadurch den wahren Wert des Lebens vor Augen führen. Für mich: Lese-Highlight, Herzöffner und Seelensuppe in einem. ¿¿