Eine an sich schöne Geschichte, mit einem interessanten Magiesystem. Wir werden direkt ins Geschehen geworfen, was einerseits ein gutes Konzept ist, da es sofort spannend ist. Andererseits birgt es die Gefahr, dass der Leser zu viele Infos auf einmal erhält und nicht mehr hinterher kommt. Hier wurde das insgesamt ganz gut gelöst, einzig das Verständnis um das Magiesystem war dadurch etwas schwierig und am ende denke ich, dass es auch einfach nicht zu hundert Prozent durchdacht ist. Auf dem zweiten Blick wirkt das ganze gar nicht so komplex wie Anfangs gedacht, aber ich glaube das liegt eher daran, dass man manche Dinge einfach hinnimmt.
Ich hatte immer wieder Durchhänger beim Lesen. Ich empfand es zwischendurch als nicht fesselnd genug um das Buch, einmal weggelegt, wieder in die Hand zu nehmen. War ich dann aber einmal wieder dran, habe ich es doch recht gern und schnell weiter gelesen. Bis ich es wieder aus der Hand legen musste... Total kurios irgendwie. Ich kann mir nicht mal richtig erklären, warum das so war.
Die Dynamik zwischen den drei Protagonisten was sehr spannend. Auch wenn ich dem einen von Beginn an nicht über dem Weg getraut habe. Dafür sind mir die anderen beiden recht sympathisch. Lola ist eine taffe Person, nicht auf den Mund gefallen, aber doch noch etwas naiv. Von ihrem angeblichen Handicap merkt man in der Regel nichts, es wird nur immer wieder erwähnt, dass sie schielt. Nic ist der geheimnisvolle, bei dem nichts so ist wie es scheint. Bei Enzo ist es ähnlich, aber doch ganz anders. Tendenziell begleiten wir hauptsächlich Lola und Nic, dementsprechend sind diese beiden greifbarer und wir bekommen eine schöne Entwicklung mit. Enzo dagegen hat zwar seine Auftritte, ist aber erstmal sehr unnahbar und man bildet sich schnell eine Meinung über ihn, die sich dann auch bewahrheitet. Er ist also wenig überraschend.
Es gibt natürlich einige Nebencharaktere, die aber alle bis auf eine, sehr oberflächlich gehalten sind. Da werden zwar, besonders von Ostena, fragwürdige Handlungen eingebaut, aber ein warum wird nicht geliefert. Da fehlen mir schlichtweg Hintergründe.
Zur Welt würde ich gerne was schreiben, kann ich aber eigentlich gar nicht, da wir uns fast ausschließlich im Casino befinden. Es erscheint mir sehr groß und auch sehr verwirrend zu sein, ist aber halt nur ein sehr begrenzter Handlungsort. Hin und wieder bekommt man einen fitzel davon mit, was da draußen alles ist, aber ein echtes Gesamtbild von der Welt, den Menschen und allem drum und dran, gibt es schlichtweg nicht.
Es gibt leider auch durchaus den ein oder anderen kleinen Logikfehler, die schon auffallen, aber zum Glück nichts riesengroßes sind. Grammatikalisch sind mir ebenfalls immer wieder Dinge aufgefallen, dazu wurden auch mal Wörter falsch geschrieben (zum Beispiel dey statt der). Die Übersetzung war eigentlich gut, nur bei der Mondscherbe und was mit ihr passierte, kam es wohl zu einem größeren Missverständnis, was zwischenzeitlich zu kleinen Fragezeichen im Kopf führte. Kann alles mal passieren, aber bei einem Verlagsbuch sollte es nicht in diesem Ausmaß sein.
Insgesamt empfand ich es als eine eher ruhige Geschichte. Im großen Ganzen war es interessant, mit kleinen spannenden, oder leicht romantischen Situationen und einem angenehmen, flüssigem Schreibstil. Das Magiesystem ist an sich mal was anderes und habe ich in dieser Form noch nicht gelesen, gleichzeitig scheint es nicht bis zum Ende durchdacht zu sein, oder ich hab es halt nicht komplett verstanden.
Der Funke ist nie ganz bei mir übergesprungen, oder besser gesagt, erst auf den letzten paar Seiten, als dann ein kleiner "Ahhh-Moment" kam. Mir fehlte es am Worldbuilding außerhalb des Casinos, an starken Nebencharakteren, an einem ausgereiften Magiesystem und einfach am gewissen etwas. Ob ich den zweiten Teil Lese weiß ich noch nicht, momentan Tendenziell eher nein.
Ich bin bei 3,5 Sternen, die ich nach langem Überlegen Abrunden musste