Am Horizont eine Insel beinhaltet 316 Seiten. Rike sagte immer: Inseln können heilen. Jeden Sommer sammelt sie zusammen mit Jan die Inseln. Es soll eine Landkarte der Liebe entstehen. Bis sie unheilbar erkrankte. Und irgendwann machen sie keinen Urlaub mehr und Rike gibt alles mit schwerem Herzen auf, alles, was sie so gerne gemacht hat, weil es einfach nicht mehr ging. Ein Jahr danach traut sich Jan allein an die Nordsee zu fahren, er will versuchen, ob es auch ohne Rike weitergehen kann. Das Leben, das Inselnsammeln. Es ist ein grosser Schritt, der Jan viel Überwindung und Mut kostet, aber er macht es. Jan merkt mitten im Watt, wie die Zeit hier stillsteht und spürt eine längst vergessene Ruhe. In seiner Ferienwohnung ist er nicht allein. Im Haus begegnet er immer wieder 2 Jungs. Die gehören da, irgendwie auch dazu. Er erfährt, dass ihre Oma die Vermieterin ist. Jan unternimmt mit den beiden immer wieder was, führt Gespräche, spendiert ihnen ein Eis. Er erfährt, dass sie den Papa verlassen haben. Eines Tages taucht Merle in der Pension auf, die Mutter der beiden. Es kommt zu Begegnungen, offenen Gesprächen, Spaziergängen am Strand. Merken beide, dass das Leben trotz vieler Schicksale jeden Tag aufs Neue beginnen kann? Die Zeit wird für die beiden immer kostbarer und die Momente vertraulicher. Bis eines Tages der Mann von Merle auftaucht und alles aufwirbelt. Er tut auf Heilewelt machen, verspricht so vieles. Merle kostet das Ganze viel Überwindung, sie macht den Schritt und geht mit ihm, den Kindern zuliebe. War das die richtige Entscheidung oder wird sie es doch bereuen?Das Buch ist wunderschön und berührend zugleich, mutmachend, auch wenn das Herz noch trauert. Die Abschnitte haben eine angenehme Leselänge. Der Schreibstil ist leicht, locker und flüssig. Vieles ist sehr bildhaft dargestellt, das Buch bietet Kopfkino pur, als wäre man selbst vor Ort mit dabei. Die Charaktere sind gut ausgearbeitet, man fiebert mit ihren Schicksalen mit, erlebt beim Lesen ihre Höhe und Tiefen mit, man möchte beim Lesen den beiden mal einen Ratschlaggeben oder sie vor Gefahren schützen, man fühlt sich emotional involviert. Es liest sich ziemlich zügig, weil man neugierig ist, was als Nächstes passiert. Die Schlusswendung finde ich sehr gelungen und teils auch überraschend, ich hätte nicht gedacht, dass es so endet. Aber es hat mir gefallen. Deshalb vergebe ich 4 Sterne und eine Weiterempfehlung.