Spoilerfrei:
Ich habe *We Who Will Die* komplett gelesen. Nicht, weil ich irgendwann total begeistert war, sondern eher, weil ich wissen wollte, warum dieses Buch so gehypt wird. Ich hatte es zuletzt öfter gesehen und dachte mir: Okay, da muss doch irgendwas dran sein.
Und ehrlich? Ich habe es nicht verstanden.
Für mich ist das Buch leider eine große Enttäuschung gewesen. Ich gebe **1,5 Sterne**, weil es einzelne Dinge gab, die ich grundsätzlich interessant fand. Aber als Gesamtpaket hat es für mich einfach nicht funktioniert.
Was mich schon früh gestört hat, war, wie zusammengewürfelt sich diese Welt für mich angefühlt hat.
Wir haben ein Setting, das stark an das Römische Reich erinnert, Gladiatorenkämpfe, politische Machtspiele und einen Imperator, der sich teilweise wirklich sehr nach Caesar, aber in Fantasy angefühlt hat. Dazu kommt eine Protagonistin aus den Slums, die in tödliche Prüfungen gerät. Bis dahin hätte ich noch gesagt: Okay, das kann funktionieren.
Aber dann kommen zusätzlich Vampire, mythologische Wesen wie Greife, Zentauren und Kelpies, Götter, Magie, ein Klassensystem mit Symbolen auf der Stirn und eine Second-Chance-Romance dazu. Und irgendwann war es für mich einfach zu viel.
Nicht, weil diese Elemente grundsätzlich nicht zusammenpassen können. Fantasy darf wild sein. Fantasy darf mischen. Aber hier hatte ich oft das Gefühl, dass ganz viele Dinge einfach reingeballert wurden, weil sie einzeln cool klingen. Nur zusammen haben sie für mich keine stimmige Welt ergeben. Es war mehr wie ein Würfelbecher in den alles einfach rumgeschüttelt wurde und man sich aus dem Ergebnis eine Geschichte gebastelt hat. Und genau dadurch habe ich irgendwann den Überblick und auch die Verbindung zur Welt verloren.
Auch das Magiesystem war für mich praktisch nicht greifbar. Ich habe kein Problem mit Soft Magic, wirklich nicht, es ist mir auch teilweise deutlich lieber als Hard Magic Systems. Aber hier hatte ich oft das Gefühl, dass es einfach keine Regeln gibt. Irgendwann erwachen Fähigkeiten, manche bekommen eine, andere mehrere, manche können Wasser manipulieren, andere in Gedanken sprechen, wieder andere irgendetwas ganz anderes. Für mich war das alles sehr willkürlich. Es war da, aber ich habe nicht verstanden, warum es so funktioniert oder was die Grenzen davon sind.
Was mich aber wahrscheinlich am meisten gestört hat, war der Schreibstil.
Ich habe beim Lesen einfach keinen richtigen Film im Kopf bekommen. Viele Szenen waren sehr beschreibend, aber nicht emotional. Es wurde erzählt, was passiert, aber ich habe es nicht gefühlt. Gerade in wichtigen Momenten, in denen ich eigentlich mit der Protagonistin mitfiebern wollte, blieb es für mich oft sachlich und distanziert.
Und dann gab es immer wieder Brüche in meinem inneren Bild. Ich dachte, eine Figur steht an einer bestimmten Stelle, und plötzlich wirkte es so, als wäre sie ganz woanders. Oder eine Actionszene lief an, wurde aber so abrupt erzählt oder übersprungen, dass ich dachte: Hä? Was ist gerade passiert? Wie sind wir jetzt hier gelandet?
Das hat mich total rausgerissen.
Gerade bei den Prüfungen und Kämpfen hätte ich erwartet, dass ich angespannt bin, dass ich mitgehe, dass ich Angst habe, dass ich den Dreck, die Panik, die Gewalt und den Druck spüre. Aber oft war es für mich eher: Es passiert etwas, dann passiert noch etwas, und zack, auf einmal ist die Szene vorbei oder wir sind schon an einem anderen Punkt. Für mich hat da einfach die Verbindung gefehlt.
Die Protagonistin hatte für mich ebenfalls zwei Seiten.
Einerseits fand ich es erfrischend, dass sie nicht diese perfekte Fantasy-Heldin ist, die mit achtzehn schon wirkt, als hätte sie dreihundert Jahre Lebenserfahrung. Sie ist traumatisiert, überfordert, macht Fehler, hat Angst und ist nicht automatisch die Beste in allem. Das fand ich grundsätzlich gut. Ich mag unperfekte Figuren.
Aber hier war es mir irgendwann zu viel.
Sie wirkte auf mich über weite Strecken wie eine Marionette. Sie wird von anderen benutzt, hin- und hergeschoben, manipuliert und reagiert oft einfach nur. Und ja, das kann realistisch sein. Gerade mit ihrem Hintergrund und ihren Traumata. Aber als Leserin war es für mich nicht befriedigend. Ich hatte oft das Gefühl, dass sie kaum selbst Entscheidungen trifft oder aus Dingen lernt.
Und dann kam für mich der Punkt, an dem es nicht mehr zusammengepasst hat: Sie ist körperlich und mental den anderen eigentlich total unterlegen, hat wenig Ausdauer, wenig Stärke, wird in Kämpfen getriggert und ist teilweise komplett blockiert. Aber trotzdem schafft sie dann Dinge, bei denen ich nicht verstanden habe, warum. Es fühlte sich nicht verdient an. Es war plötzlich einfach so.
Und wenn ihr dann gesagt wird, sie hätte unfassbar starke Reflexe, dachte ich nur: Hä? Wo genau? Ich habe doch gerade gelesen, wie sie gefühlt die Hälfte der Zeit in Panik oder Leere hängt.
Das war für mich einfach nicht glaubwürdig erzählt.
Was ich tatsächlich mochte, war die Love Story. Die Second-Chance-Romance hatte süße Momente, und ihn als Charakter mochte ich ganz gern. Das Zwischenmenschliche war für mich einer der wenigen Punkte, die ich wirklich angenehmer fand. Es hat mich nicht komplett gerettet, aber es war etwas, woran ich mich beim Lesen eher festhalten konnte.
Trotzdem reicht das für mich leider nicht.
Denn am Ende waren meine Hauptprobleme einfach zu groß: Der Schreibstil hat nicht zu mir gepasst. Die Welt wirkte für mich überladen und zusammengewürfelt. Die Magie war mir zu willkürlich. Die Actionszenen haben mich verloren. Und die Protagonistin war für mich zu lange nur ein Spielball der Handlung, statt eine Figur, deren Entwicklung ich wirklich fühlen konnte.
Ich verstehe, dass das Buch für andere funktionieren kann. Gerade, wenn man römisch inspirierte Settings, düstere Prüfungen, Second Chance und viele Fantasy-Elemente liebt. Aber für mich war es einfach nicht rund. Ich habe während des Lesens so oft gedacht: Ich habe schon Bücher gelesen, die genau solche Elemente deutlich besser und emotionaler umgesetzt haben.
Deswegen bleibt *We Who Will Die* für mich leider ein Buch, bei dem ich den Hype nicht nachvollziehen kann.
Die Idee war da. Einzelne Ansätze waren spannend. Aber die Umsetzung hat mich emotional kaum erreicht und oft eher verwirrt als mitgerissen.